Regula Stämpfli schäumte vor Wut: In ihrer gestrigen Kolumne auf Radio 1 (nur für Erwachsene Politologinnen) liess die Nervensäge aus Brüssel ihrem Unmut über den aktuellen “Wahl-Mediendiskurs” freien Lauf: Das Fass zu Überlaufen brachte Michael Hermann in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger. Der Sozialgeograf erklärte gestern (wieder einmal) wie die SVP den Wahlkampf gewinnen wird.
Stämpfli beklagt: Alle 48 Stunden verkünde der “Wahlvermesser mit dem politischen Reflektionsgrad eines Planktons” per Tamedia Onlineportal, wie stark die SVP, wie entscheidend die Ausländerthematik und wie gut die Themensetzung der Partei sei. Radio und Fernsehen würden jeweils wie blinde Schafe folgen: Bestimmt werde der nächste “Club” zum voraussichtlichen Wahlsieg der SVP stattfinden (Anm. der Verfasserin: heute kein Club).

Michael Hermann (Quelle: beobachter.ch)
In der gegenwärtigen “Medienschrottzeit” schaffen Radio, Fernsehen und Print lieber Schlagzeilen, anstatt über fundierte Erkenntnisse zu informieren, meint Stämpfli. Dass etwa namhafte Persönlichkeiten aus Medien- und Politikwissenschaft an der Tagung zur “Herausforderung Demokratie” zum Fazit kamen, die Medienlandschaft in der Schweiz sei demokratiefeindlich, habe jedenfalls keine Wellen geschlagen.
Stimmt, Frau Stämpfli! Anstatt die Fachexperten zu befragen, servieren uns die Medien Analysen von Factotum-Medienpolitologen. Michael Hermann hat zweifelsfrei seine Spezialgebiete. Viele Fragen könnten aber von anderen Wissenschafterinnen kompetenter erklärt und bewertet werden. Wären Medienschaffende wirklich an einer “state of the art” Antwort interessiert, müsste oft anderen Experten das Wort gegeben werden. Meist reicht ihnen aber irgendeine Antwort; am liebsten knallig und mit viel Newsgehalt. So wie Stämpflis Bemerkungen eben.
Recherchen von Polithink haben ergeben: Gibt man in der Schweizer Mediendatenbank (SMD) Michael Hermann ein, erhält man für das letzte Jahr 377 Treffer (Claude Longchamp 307, Iwan Rickenbacher 199, Georg Lutz 192, Andreas Ladner 156, Regula Stämpfli 94, Adrian Vatter 58). Prof. Hanspeter Kriesi, ausgewiesener Experte für rechtskonservative Bewegungen, schafft es auf 29 Treffer. Schade: Gerade er vermochte in seinem Buch “Der Aufstieg der SVP” 2005 durchaus plausibel zu erklären, warum der Erfolg der Partei über kurz oder lang an seine Grenzen stossen wird. Wir haben Hermanns Weigerung diese Resultate zu berücksichtigen bereits im April dieses Jahres zwei Artikel gewidmet.
Bei aller Medienscheilte müssen aber auch auch die Herren und Damen der Wissenschaft in die Pflicht genommen werden: Nicht selten fühlen sich die, die wirklich etwas zu sagen hätten, nicht dem öffentlichen Diskurs verpflichtet. Dies muss sich ändern. Ansonsten verkommt Kriesis Aussage von vergangenem Wochenede zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung: “Medien-Logik ersetzt die politisch Logik, Politik verkommt zum Medienpopulismus”.
Zum Abschluss noch ein Wort an Frau Stämpfli: In der Schweiz sind zur Zeit keine Lehrstühle für Schweizer Politik mit Deutschen Professorinnen oder Professoren besetzt. Bitte leben Sie in Zukunft nach ihrem herausposaunten Credo und geben Sie nur dann ihre Meinung ab, wenn sie auch fundiert ist.
Liebe Grüsse von der erbsenzählenden, nicht denkenden Bologna-Studentin


regula staempfli
January 5, 2011
die diskussion geht weiter…obwohl ich Ihre likeit buttongeschichte echt unwuerdig finde.habe like it zu einem geposteten ayn rand artikel gepostet, macht das mich zu a.greenspan?
punkto wahlvermesser, read….
http://www.news.ch/Die+SP+befindet+sich+im+Hoehenflug/472244/detail.htm
Titus
November 9, 2010
Zitat: «Bei aller Medienscheilte müssen aber auch auch die Herren und Damen der Wissenschaft in die Pflicht genommen werden: Nicht selten fühlen sich die, die wirklich etwas zu sagen hätten, nicht dem öffentlichen Diskurs verpflichtet.»
Absolut einverstanden, aber…
Wissenschaft hat immer in der einen oder anderen Form mit einer Sache zu tun. Darum erwarte ich von den Damen und Herren der Wissenschaft – wenn sie denn gefragt werden – auch eine entsprechende Sach-lichkeit. Jemanden als Plankton zu bezeichnen und noch eine dubiose Andeutung bezüglich Bezahlung zu machen, hat mit der Sache nichts mehr zu tun. Das ist nur wichtigtuerisches Gerede mit einem starken Hang zur Verleumdung.
Und: Schuster bleib bei deinen Leisten. Von den Damen und Herren der Wissenschaft erwarte ich ebenfalls, dass sie Wissen schaffen zwecks Meinungsbildung und nicht dass sie Meinungen schafft. «Regula Stämpfli analysiert als profilierte Meinungsmacherin pointiert das Thema der Stunde» steht da etwa auf der Website von Radio 1. Aha. Wozu dann also noch der akademische Titel?
Ins gleiche Schuster-Kapitel gehört auch das «thematische Fremdgehen». Beda Stadler mag vielleicht ein ausgewiesener Virologe sein. Aber bei der Bewältigung einer Pandemie geht es um mehr als bloss um Viren. Darum hat er dem BAG nicht sagen zu wollen, was es zu tun hat – wie das vor rund einem Jahr der Fall war. Und was der gleiche Mann in der vorletzten «Arena» zum Thema Kruzifixe in Schulzimmern zu suchen hatte, habe ich immer noch nicht verstanden. Litt er vielleicht unter medialem Entzug?
Ja, Frau Stämpfli hat Recht: Mehr kritischer Journalismus in den Redaktionsstuben wäre gefragt. Dann würden wir vielleicht endlich nur noch Wissenschafter zu hören bekommen, die mit ihrem Wissen sachlich zur Meinungsbildung beitragen, die aber nicht mit ihrem akademischen Titel in aufgeregtem Stil Meinungen verbreiten…
Michael Hermann
October 27, 2010
… weil der Kreis zwar geschlossen aber zumindest aus meiner Sicht noch nicht ganz rund ist und weil ich hoffe, dass sich die Gemüter nun etwas beruhigt haben, hier noch ein paar Gedanken von mir:
* In ihrer neusten Morgenkolumne (siehe oben) bringt Frau Stämpfli die jurassischen Wahlen als Beispiel für den Krebsgang der SVP. Dass die SVP den Einzug in die Regierung des linksten Kantons der Schweiz nicht schaffte, ist nicht wirklich erstaunlich – abgesehen von der Waadt sitzt die SVP in keiner welschen Regierung. Im Parlament hat die Rechtspartei allerdings ihren Wähleranteil um 3,7 Prozentpunkte gesteigert – sie hat mehr dazu gewonnen als alle anderen Parteien.
* Der Auslöser für die ganze Plankton-Geschichte war ein Artikel im Newsnetz mit dem Titel „Wie die SVP den Wahlkampf gewinnen wird“. Anders als eingangs von Deana geschrieben, ist dies kein Interview mit mir, sondern eine Analyse von von Tagi-Redaktor Fabian Renz im Rahmen einer Parteienserie des Tages-Anzeigers. Ich bin in dieser Analyse am Rande zitiert („Perfekt geölte Wahlkampfmaschinerie“, „Verausländerung der Sozialpolitik“).
* Zu ebendiesem Artikel habe ich noch eine aufschlussreiche Ergänzung: Ursprünglich erschien dieser im Print-Tagi unter dem Titel: „Die SVP weiss worauf sie setzen muss“. Newsnetz hat dann (ohne Rücksprache mit Fabian Renz) den Titel aufgepeppt und zu einem Trigger für allerlei Emotionen gemacht.
* Zu meiner „Prognose“ eines SVP-Wahlsiegs: Ich habe (mit-ausgelöst durch einen Blog-Eintrag hier auf polithink) in einer meiner Tagi-Kolumne davon geschrieben, dass der Aufstieg der SVP noch nicht zu Ende sei. Das war und ist keine Prognose sondern eine auf empirischem Material beruhende, subjektive Einschätzung, zu der ich nach wie vor stehe. (Der Schlusssatz lautet übrigens: „Eins ist jedoch sicher: Irgendwann wird selbst die SVP entzaubert und ihr Aufstieg ein Ende finden.“)
* Zufällig bin ich grade gestern mit Hanspeter Kriesi ein Bier trinken gegangen. Als waschechter Uni-Mensch hat er von der ganzen Plankton-Erbsensuppen-Geschichte nichts mit gekriegt. Angesprochen auf seine Thesen im Buch zum Aufstieg der SVP meinte er, dass es lange her sei, dass sie dieses Buch gemacht hätten und dass er das eine oder andere darin heute sicher anders beurteilen würde. Lakonisch fügte er an, dass Schüler oftmals rigider seien als ihre Lehrer…
Und zum Schluss noch dies: Der Beitrag von Lukas Stuber hat leider dazu geführt, dass Frau Stämpfli ihre Pinnwand für non-friends geschlossen hat und da sie mich nicht im Kreis ihrer Friends willkommen heissen will, komme ich nun nicht mehr in Genuss die lebhaften Diskussionen dort mitzuverfolgen. Wie ich zugeben muss, frustet mich das ein bisschen, denn ich bin an sich ganz fasziniert vom Phänomen Stämpfli.
polithink
October 25, 2010
Und damit schliesst sich der Kreis:
Radio 1: Regula Stämpfli analysiert als profilierte Meinungsmacherin pointiert das Thema der Stunde
Lukas Stuber
October 25, 2010
Ihre Facebook-Argumentation, Frau Stämpfli, ist zwar irrig, aber interessant und vermutlich nicht mal eine Rarität: Sie führen auf Ihrer Facebook-Seite eine öffentlich einsehbare Pinnwand, bezeichnen diese aber als privat. Nun weiss ich nicht recht, ob Sie da eine wie auch immer zu begründende inhaltliche Privatheit einfordern (immerhin dürfens ja alle lesen, oder nicht?), oder ob Sie sich schlicht in den Einstellungen vertan haben – Sie wären nicht die erste.
Jedenfalls liegt es in Ihrer eigenen Verantwortung, Ihre Facebook-Seite privat zu halten. Derzeit aber müssen Sie sich schon gefallen lassen, wenn man daraus zitiert. Zitieren stellt aber per se noch nicht Mobbing dar (wie Sie auf Facebook schreiben). Noch problematischer übrigens: Auch Ihre Facebook-Bekanntschaften dürfen auf Grund der von Ihnen definierten Einstellungen problemlos zitiert werden. Möglicherweise aber haben die keine Ahnung, dass Ihre Pinnwand öffentlich ist.
Privacy ist mehr denn je auch eine Frage der Medienkompetenz geworden. Das bedauern manche; es zu ignorieren und post festum Privatheit einzufordern geht aber definitiv nicht.
akide
October 24, 2010
Liebe Sedef,
da du mich direkt angesprochen hast ein paar Sätze.
Wenn du dem Eindruck erlegen sein solltest, dass ich mich auf die Seite von Regula S. geschlagen habe, dann solltest du den Artikel vielleicht noch einmal lesen :-)
Im Grunde ging es mir darum den Mechanismus aufzuzeigen, der sich abspielt. Regula S. geht auf eine Kritik ein, auf die sie eigentlich nicht unbedingt eingehen müsste und vor allem nicht in der Form, wie sie es tut (im öffentlichen Raum über Deana herziehen oder herziehen lassen- im amerikanischen Wahlkampf hat John McCain mal einer Anhängerin das Mikro aus der Hand genommen, als diese dabei war auf niedrigem Niveau Obama zu diskreditieren- das hat Größe, und das von einem Konservativen). Wie ich geschrieben habe, verhält sie sich- gerade für eine Person des öffentliche Lebens- hoch unprofessionell und hat aus der ganzen Sache- durch ihr Verhalten- erst ein richtiges Thema gemacht.
Studentische Blogs verdienen selbstverständliche Anerkennung; aber wir können uns vielleicht darauf einigen, dass es eher ungewöhnlich ist, wenn eine Figur des öffentlichen Lebens sich mit einem solchen anlegt.
Und das ich überhaupt nicht gegen studentisches Engagement habe– im Gegenteil- das solltest du doch eigentlich wissen.
lg Jan
Sedef Biçer
October 24, 2010
Lieber Jan zu deinem Denkerhaus-Artikel Regula Stämpfli vs. polithink:
Ich glaube nicht, dass polithink den Anspruch hatte auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit zu erlangen oder zumindest war eine solche Reaktion von Seiten Stämpflis nicht zu erwarten.
Des Weiteren sind Studentinnenblogs nicht zu unterschätzen und verdienen Anerkennung und jemand wie Regula Stämpfli sollte sich des Öfteren mit Studentinnen und ihren Meinungen auseinandersetzen resp. “verbal anlegen” dann wüsste sie erstens, dass wir keine hirnlosen Bolognas sind und zweitens, dass der Lehrstuhl der Schweizer Politik an der Universität Zürich und wenn ich mich nicht irre, an keiner Universität in der Deutschschweiz (bitte korrigiert mich, wenn ich mich täusche…) von einem Deutschen besetzt ist.
Ausserdem hat sich Stämpfli nicht verbal mit der Autorin, Deana Gariup, angelegt, sondern sie persönlich auf einer äusserst geschmacklosen Weise angegriffen, und zwar anscheinend als Antwort auf die Kritik, die erst am Schluss des Artikels zum Zuge kommt. Vorher aber wird sie, wie unschwer zu erkennen ist, im Artikel Gariups über weite Strecken unterstützt.
Es hätte jedem von uns engagierten Studierenden passieren können. Sollten die Optionen wirklich auf entweder “jemand wie Regula Stämpfli darf sich nicht auf das Niveau Studierender begeben und sich mit ihnen verbal anlegen” oder “wenn sie sich verbal anlegt, dann aber schön nieder schmetternd” beschränkt sein? Wie wäre es mit der dritten Option wie den Dialog zu suchen oder zumindest auf einem professionellen Niveau zu bleiben. Regula Stämpfli wird sich früher oder später auch bewusst werden, dass Unprofessionalität nicht dem Studentinnenblog, aber sehr wohl ihr nachgesagt werden wird.
Man beklagt sich über Jugendliche und Studierende, die sich nicht genügend engagieren, aber wenn sie sich engagieren, dann bitte so wie es gerade ins eigene Konzept passt?! Schade…
Ninon
October 24, 2010
Täuscht mein Eindruck, oder triefen Regula Stämpfli und ihre Claqueure vor Selbstgerechtigkeit?
allessandro Scolino
October 23, 2010
Liebe Frau Stämpfli,
die Grenze verwischt sich. Privates wird öffentlich. Private Entgleisungen bilden die Grundlage einer medialen Skandalisierung. Sie sehen das alles, verbinden das mit ihrem breiten philosophischen Wissen. Aber Sie sind nicht Teil des Systems. Sie stehen darüber. Aber wie meine 13-jährige Schwester diskutieren sie mit Freunden auf ihrem halböffentlichen Facebookprofil. in Dreizeilern versuchen SIe Hannah Arendt zu übersetzen – köstlich.
Eben die Grenzen verwischen sich…
allessandro scolino
Sandro Büchler
October 23, 2010
Werte Frau Stämpfli
Wenn Sie das Recht auf Privatsphäre in Facebook reklamieren, dann muss ich Ihnen nahe legen, sich gänzlich aus Facebook zu verabschieden. Niemals ist ein Facebook-Profil ein privater Ort; mit jedem auf Facebook geschriebenen Wort gibt man sich einem halb-öffentlichen Kreis Preis. Es ist in etwa vergleichbar, wie wenn Sie in einem Café in Brüssel lauthals ihre Meinung in Schweizerdeutsch kundtun, in der Annahme, dass Sie sowieso niemand anders versteht, und sich dann erstaunt zeigen, wenn zufälligerweise ein Schweizer Journalist, der im gleichen Café sass, diese Ihre Aussagen in den Medien kontrovers diskutiert.
Es ist sehr wohl legitim, sich, zwecks eines ganzheitlichen Bildes einer Person, auch Worte und Meinungen auf einem Facebook-Profil anzuschauen (das machen Arbeitgeber bei der Beurteilung von Bewerbungen ja auch). Sind nun die Fremdkommentare zu Deana Gariup bereits diffamierend, so zeigt Ihr offensichtlicher Gefallen daran wie undifferenziert, kurzsichtig und peinlich Ihr Verhalten ist. Ich darf Ihnen sagen, dass man Kritik an einer Person durchaus auch ohne die Verwendung von beleidigenden Worten (Plankton und Co.) anbringen kann, so wird Kritik ernst genommen.
Es grüsst,
Sandro Büchler
regula staempfli
October 23, 2010
tolle fragen, ronnie grob – gute diskussion! aber von polithink die facebookdiskussion so zu diskutieren und mir vorwerfen, was mir gefällt oder nicht, again: it’s private! ich trete im facebook unter freunden auf – Sie bestätigen mit Ihrem headline-schaffen “meinungsnutte” nur meine kritik an an Ihrem undifferenzierten beitrag und Ihre mangelnde unterscheidungskraft – peinlich und ich frage mich, welche motivation (denn die nach wahrheit suchen ist es ganz offensichtlich nicht) dahinter steckt…
zudem: Sie haben kein argument gegen meine hinterfragung, demokratie und links-rechts zu vermessen. neee, nee, Ihnen geht es um das skandalon stämpfli (ich störe offensichtlich) und Sie verstehen nichts von unterscheiden zw. öffentlich und privat. Sie haben auch noch keine meiner schriften gelesen, ganz offensichtlich.
at ronnie grob: wie ich mir bei allen sog. wissenschaftlichen positionen überlege, cui bono, welche theorie belegt was? nochmals: emprie ist grossartig, einfach nicht für alles. aber ehrlich: muss ich das wirklich erklären? das ist doch eigentlich selbstverständlich. schon was von kritischen denken gehört? “nur weil etwas ist, wie es ist, heisst das nicht, das es gut ist, wie es ist”.
Edith Wiederkehr
October 23, 2010
Liebes Polithink-Team
Als ich zuvor die Einträge auf Regula Stämpflis Pinnwand gelesen habe, habe ich deutlich mehr als einmal leer geschluckt und den Kopf geschüttelt.
Enorm schockiert hat mich der Stil von Frau Stämpfli, unglaublich… sie äussert sich in zahlreichen Medien, wer sollte daher ein Bewusstsein für Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit haben, wenn nicht Menschen, die regelmässig in den Medien auftreten?
Man hat im Beitrag von Deana Gariup eindeutig erkannt, dass es sich dabei um eine persönliche Meinung handelt. Jeder kann sich selber ein Bild davon machen.
Die Beleidigungen von Frau Stämpflis Seite finde ich für jede Erwachsene Person unhaltbar und erst recht für “Personen der Öffentlichkeit”.
Liebe Polithinkers ich hoffe ihr lasst euch von solchen Reaktionen nicht beeinflussen – sie sind wirklich unter jedem Niveau – und behaltet weiterhin eure kritische Stimme!
Liebe Grüsse
Edith Wiederkehr
Ronnie Grob
October 23, 2010
Wie auch immer die Faktenlage zwischen Kommentar und Wissenschaft ist: Im halböffentlichen Raum wie bei Facebook rumzulästern ist wohl eher nicht die feine Art, aber offenbar bei vielen Leuten eine beliebte. Frau Stämpfli ist aber zugute zu halten, dass sie hier mitdiskutiert. Vielleicht geht die Diskussion jetzt konstruktiv weiter?
Von mir paar Fragen, @Regula Stämpfli: Es gibt keine objektive Wissenschaft? Was unterscheidet sie dann überhaupt von der profanen Meinung? Ist es nicht die Definition von Wissenschaft, dass alles, was sie aussagt, beweisbar, nachvollziehbar, überprüfbar ist? Was soll daran subjektiv sein? Ist es nach dieser Logik, Frau Stämpfli, also korrekt, wenn man Sie als subjektive Wissenschaftlerin bezeichnet? Was für einen Wert hat subjektive Wissenschaft?
Henry Both
October 22, 2010
Liebe Frau Stämpfli
Ich kann mich der Stellungnahme von Polithink nur anschliessen.
Auch ich habe mir gerade vorher den entsprechenden Abschnitt in Ihrem Facebook-Profil durchgelesen und muss sagen, dass ich absolut schockiert bin über die dort publizierten Äusserungen! Was aber noch bedenklicher ist, sind Ihre vielen “like” zu den beschämenden Kommentaren. Ich muss sagen, dass ich von Ihnen als öffentliche Person eine etwas differenzierte und anständigere Haltung erwarten würde. Denn mit mit dieser Art blasen Sie ins genau gleiche Horn der puren Polemik, wie Sie es u.a. Michael Hermann vorwerfen.
Ihre Kritik mag ja durchaus auch ihre Berechtigung haben, doch wie gesagt würde ich dies mit anderen Worten erwarten. Auch hat man beim Lesen Ihrer Kommentare und Ihrer Stellungnahme das Gefühl, dass Sie immer Bescheid wüssten, alles durchblicken und gewissermassen die “Königin unter den Politologen/innen” sind. Dies Haltung lässt Sie jedoch ziemlich überheblich erscheinen, wodurch sich Ihr zuvor gutes Bild bei mir ziemlich verändert hat.
Ich muss hier auch anfügen, dass ich Deana von der Uni gut kenne. Sie ist eine sehr offene und vor allem engagierte Studentin und versucht alle Beiträge aus möglichst allen Perspektiven zu beleuchten. Auch wenn vielleicht ein bisschen Kritik für jeden dabei ist. Aber diese gehört ja dazu und mit Kritik muss man leben können.
In diesem Sinn hoffe ich, dass Sie Deana nicht allzu fest beleidigt haben und fände eine Entschuldigung Ihrerseits durchaus angebracht.
Tanti saluti a Deana! ;-)
polithink
October 22, 2010
Liebe Regula Stämpfli
Wir danken Ihnen für Ihren Kommentar, das Mail und die Verlinkung auf der Facebook-Seite. Die Debatte, welche Sie am Montag angestossen haben, nehmen wir in der Tat als sehr befruchtend wahr.
Befremdet sind wir allerdings über die Art und Weise, wie Sie die Diskussion führen. Auf Ihrer Facebook Seite, welche offen einsehbar ist, schreiben Sie in Bezug auf den polithink-Artikel:
Können Sie bitte erklären, was Sie mit grausig meinen? Über weite Strecken wird Ihre Position verteidigt. Der gegenwärtige Stil der Medien über Politik zu schreiben, wird angeprangert. Gleichzeitig nimmt Deana Gariup, wie Sie, die Experten in die Pflicht über Ihre Erkenntnisse zu berichten.
Kritischer wird ihre eigene Rolle dargestellt. Wir machen Ihnen nicht Ihren Titel streitig, sondern weisen nur darauf hin, dass Sie als Politikbeobachterin meilenweit weg von der empirischen Politikwissenschaft sind. Sie sind, wie wenige andere in der Schweiz, ebenfalls eine Factotum-Politikwissenschaftlerinnen. Wenn Sie diese Kritik als Beleidigung auffassen, haben Sie den Bericht falsch verstanden.
Nicht nur befremdlich, sondern bemühend finden wir, wie sie Deana Gariup auf Ihrer Pinnwand verreissen (lassen):
Sie werfen ihr “Banalität” vor.
Lilo König meint, dass Deana Gariups Hirn nur “Erbsenpuree” ist. (Regula Stämpfli likes this und findet es: “ahhhhh wunderbar”)
Matthias Schneider meint, dass Deana Gariup wohl selbst gerne eine “europaweit gehörte und anerkannte Politologin” wäre. (Regula Stämpfli likes this)
Giorgio Girodet spricht davon, dass Deana Gariup zu einer “erbsenzählenden Meinungsnutte in allen Kanälen” avancieren möchte. (Regula Stämpfli likes this)
Marlies Bänziger: “wären Kühe mir nicht ans Herz gewachsen, ich kommentierte: Die Gariup ist eine Kuh…aber eben, ist sie nicht”. (Regula Stämpfli likes this)
Gemäss Dora Bigler ist Deana eine “Erbsli-Zählerin” und eine “Zicke”. (Regula Stämpfli likes this)
Nicoletta Cimmino schreibt verteidigend: “Regula, ich fürchte, ich spiele Spielverderberin, aber ich glaube nicht, dass Frau Gariup einfach “neidisch” ist, wie das Herr Schneider vermutet. Ich weiss auch nicht, warum man Frauen immer gleich Neid vorwerfen muss, wenn sie eine andere Frau kritisieren.Sie macht das Gleiche wie Du, Regula, sie nimmt kein Blatt vor den Mund und kritisiert, was ihr nicht passt. Das ist nicht immer angenehm und oft verletzend, aber seien wir doch froh, dass es genug Frauen (jung oder weniger ist doch egal) gibt, die ihre Meinung vertreten (dürfen). Lieber Gruss!” (Regula Stämpfli likes this)
Das Interessante ist, dass keine und keiner Deana Gariups Profil gelesen hat (dies geht aus der Webseitenstatistik hervor). Sie hätten gesehen, dass sie eine engagierte junge Frau ist. Sie zeigt auch ausserhalb der Universität grosses Engagement. Die Tatsache, dass sie Teil des aufwändigen und nicht gewinnbringenden Projektes polithink ist, unterstreicht dies. Dass Sie uns vorwerfen auf die Frau (oder den Mann) zu spielen, mutet zynisch an, nachdem wir Ihre Pinnwand gelesen haben. Wir verstehen auch nicht, wie Sie einen Diskurs erzwingen wollen, indem Sie jemanden als Plankton bezeichnen und jeder Beleidigung auf Ihrer Pinnwand zustimmen.
Wenn Sie wirklich und ernsthaft an der Meinung von Studierenden interessiert sind, die sowohl Bologna und Liz in der Schweiz kennen, dann stehen wir jederzeit für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.
Der Grund, warum wir Ihnen eine Email mit Hinweis auf den Artikel geschickt haben, war, dass wir Ihnen die Möglichkeit geben wollten, zur Kritik Stellung zu nehmen (was Sie ja auch getan haben). Die Möglichkeit mitzudiskutieren haben wir bei den diffamierenden Angriffen auf Deana Gariup auf Facebook nicht. Fordern Sie doch Ihre Freundinnen und Freunde dazu auf, sich an der öffentlichen Diskussion hier zu beteiligen. Wenn sie dies nicht möchten, können sie jederzeit eine Email schreiben (unter Kontakt).
Alles andere ist feige, beleidigend und peinlich. Ganz sicherlich dient es nicht dem Diskurs, den Sie sich so wünschen.
Simon Lanz
Franziska Gross
Matthias Lanz
Deana Gariup
regula staempfli
October 22, 2010
Die laufende Diskussion Stämpfli-Hermann ist perfektes Beispiel der “Eroberung der Welt als Bild” wie ich dies in meiner Medientheorie in “Die Macht des richtigen Friseurs” auf den Punkt bringe. Da wird eine Methodenkritik, die ich selbstverständlich verkürzt in einer Kolumne auf den Punkt gebracht habe – frau lese – KOLUMNE! – von einem 20min Journalisten als “Beschimpfung” und als “Linksouting” mit falschem Zitat zum Hetzthema und zu einer Personalisierung gemacht. Um was geht es im Kern:
- Was macht einen Experten zum Experten? (Literaturliste, akademischer Titel, Publikationen, Lehraufträge etc., Expertenmandate)
- Für was kann Smartspieder verwendet werden, für was nicht? Smartspider widerspiegelt Hermanns Position von links und rechts, keine wissenschaftlich-neutrale. Wenn beispielsweise ein Ja zu Kinderkrippen als extrem links gewertet wird und Christoph Blocher auf die Mitte der politischen Landschaft gerückt wird (jaja, das ist nun eine Zuspitzung, erklärt aber etwas das Problem), dann sagt dies einiges über herrschende Ideologie aus.
-Demoskopie-Demokratie: Die Tatsache, dass in den Medien nur noch eine Metadiskussion über Umfragewerte geführt wird, zerstört letzlich die Demokratie.
- Meinungen und Fakten: Nein, ist nicht dasselbe! Und nein, ich vertrete nur in Kolumnen meine Meinung, alle anderen Auftritte beruhen auf meinen Schriften und wissenschaftlichen Aufsätzen sowie meiner Position als unabhängige Expertin bei der EU-Kommission, Mitglied des Hochschulrats NRW, Intendantin IFG Ulm, Mitglied der Ethikkommission für öffentliche Statistik (u.a.)
- Wer aber meint, es gäbe eine objektive Wissenschaft und Neutralität, der sitzt einem grassierenden Positivismus auf, der letztlich die Teaparty und ähnliche Phänomene befördert.
- Empirische Beobachtungen: Nur weil etwas ist, wie es ist, ist es noch lange nicht gut, wie es ist! Doch genau diese klassisch wissenschaftlich-kritische Haltung geht verloren.
Lesetipp: Hannah Arendt, Vita activa (die hat noch ganz anderes gesagt als sich in einer Kolumne etwas über Wa(a)hlvermesser zu mockieren, die den Reflektionsgrad eines Planktons haben. Wer Demokratie ausschliesslich vermisst, zählt sie schliesslich aus der Welt. Aber klar doch, das ist eben schwer verständlich….in Bolognazeiten.
- Und ja: Hier habe ich einen Comment gepostet. Erhebe also keine Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.
SeverinToberer
October 20, 2010
Ich bin mit Deinem klugen Artikel völlig einverstanden. Klar, Regula Stämpfli reitet im selben Karrussell mit wie Michael Hermann und das sie gestern angegriffen hat. Ein kleiner Unterschied ist vielleicht, dass Stämpfli immer …auch politisch Position bezieht, also klar macht, dass ihre Aussagen Politik sind. Während Hermann so tut, als könne er auf seinen Koordinatensystemen Dinge wie “Mitte” oder “Wählerpotenzial” genau vermessen — unabhängig von der Deutungshoheit. Er stellt sich hin als ein “Experte”, der weiss, weil messen kann, wie genau Politik funktioniert, quasi besser und genauer und unabhängiger und objektiver als jemand, der Poltik macht. Und mit diesem Expertenstatus, den er für sich aufgebaut hat, täuscht er dann darüber hinweg, dass er selber auch einfach nur eine Meinung vertritt, die er für sich mit seinen Geografiemethoden ermittelt. Stämpfli, so zumindest in meiner Wahrnehmung, vertritt ihre Meinung als Meinung und nicht als wissenschaftlichen Befunde (obwohl sie natürlich auch immer erwähnt, dass sie PolitikWISSENSCHAFTLERIN sei).
Besonders wichtig finde ich aber Deine Forderung, dass sich AkademikerInnen wieder mehr in der Politik exponieren sollen. Ich finde auch, dass sie diese Verantwortung haben. Und eben, sie haben die Verantwortung, ihre Ansichten als Meinungen zu vertreten und nicht so zu tun, als seien Zahlen oder Statistiken eine Wahrheit jenseits oder oberhalb der politischen Prozesse und poltischer Sichtweisen — oder eben Ideologien. Schlimmes Wort, aber auch diejenigen, die sich wie Hermann als “objektiv”, “pragmatisch” oder “ideologiefrei” hinstellen, haben immer eine Ideologie. Das hätte er ja in seiner allerersten Polito-Vorlesung gelernt.
PS: Mehr unter http://www.deutungshoheit.ch
Deana Gariup
October 21, 2010
Lieber Severin,
Danke für die Blumen. In einigen Punkten sind wir uns aber wohl nicht ganz einig :)
Im Gegensatz zu dir bin ich nicht der Meinung dass Stämpfli, wenn sie in die Öffentlichkeit tritt, lediglich ihre persönliche politische Meinung äussert. Sie tut dies jeweils unter dem Titel “Politologin” und suggeriert somit, eine zumindest wissenschaftlich fundierte Meinung zu vertreten.
Ich bin auch nicht ganz von deiner Forderung überzeugt, dass Politikwissenschafter ihre Einschätzungen als ihre persönlichen Meinungen vertreten sollten. Es gibt Politologinnen wie Stämpfli, die bewegen sich in der (sehr) angewandten Politikforschung- weit weg von der empirischen, universitären Wissenschaft. Iwan Rickenbacher zum Beispiel ist ja auch ein Politbeobachter (und das wäre meiner Ansicht nach auch der Titel der Stämpfli gebühren würde), der seine Aussagen nicht (primär) von Studien herleitet. Sein Kapital ist die jahrelange Erfahrung und Arbeit in der Schweizer Politik (unter anderem als CVP-Generalsek.). Hanspeter Kriesi oder Pascal Sciarini hingegen bewegen sich auf einer abstrakten,theoretischen Ebene, die kaum die Universitätssäle verlässt.
Hermann hat bei dieser Betrachtungsweise zwei Hüte auf: Einerseits ist er an der Uni als Sozialgeograf, irgendwo an der Schnittstelle zwischen empirischer Grundlagen- und Anwendungsforschung anzusiedeln, auf der anderen Seite macht er als praxisnaher Politikbeobachter Einschätzungen für die Medien. Darin nimmt er Stimmungen auf und analysiert diese. Natürlich nimmt in diesem Bereich der angewandten Politikforschung die subjektive Komponente (wie wir im Extremfall Stämpfli sehen) zu und die theoretisch geleitete und empirische ab. Ich finde aber nicht, dass deswegen pauschal eine ideologische Färbung zu unterstellen ist.
Deine Kritik wendet sich aber, wenn ich dich richtig verstehe, durchaus an die empirischen Arbeiten von Hermann und anderen Politikwissenschaftern, wenn du sagst, dass sie Zahlen und Statistiken für “Wahrheiten oberhalb der
politischen Prozesse” verkaufen. Meines Erachtens handelt es sich um empirisch erfasste Beobachtungen, die auch ohne ideologische Agenda erzielt werden und Beachtung verdienen. Ich sehe nicht ein, warum man diese grundsätzlich mit persönlichen Meinungen austauschen sollte. Ich meinerseits gehe nicht davon aus, dass ich Vatters und Kriesis Untersuchungen misstrauen sollte, weil sie selbst eine politische Ideologie verfolgen.
Mich nimmt etwa wunder, inwiefern du bei Hermanns Smartspider oder seinen politischen Landkarten eine ideologische Färbung erkennen kannst.