Islamistisch motivierter Terror hat vor einigen Wochen erneut Schlagzeilen gemacht. Zwei Paketbomben, bequem mit FedEx aus dem Jemen per Luftpost verschickt, konnten dank eines Hinweises des saudischen Geheimdiensts und einer Portion Glück gefunden und entschärft werden. Verschickt wurde die explosive Fracht von Al Kaida in der Arabischen Halbinsel (AQAH), sozusagen eine Zweigstelle der Al Kaida – Zentrale in Pakistan.
Am meisten mediale Beachtung unter den AQAH-Exponenten erhält zurzeit Anwar Al Awlaki. Al Awlaki ist ein amerikanisch-jemenitischer Doppelbürger und predigt auf Youtube in fehlerfreiem Englisch den Krieg gegen die Ungläubigen. In der generellen Wahrnehmung sind „Terroristen“ bärtige Muslime welche Arabisch sprechen. Al Awlaki trägt seine Hassbotschaften auf Englisch plötzlich jedem Amerikaner sozusagen vor die Haustüre. Speziell in den amerikanischen Medien stösst dies auf grosse Resonanz.
Dieses Phänomen gilt nicht nur für die Hasspredigten Al Awlakis, sondern auch für AQAHs Publikationen. Seit Jahren gibt die Gruppe ein Heftchen namens „Sada al-Malahim“ („Echo der Schlachten“) auf Arabisch heraus. Dieses informiert die Jihadisten-Community über geschlagene Schlachten und ideologischen Entwicklungen. Seit die Gruppe ein englischsprachiges, hübsch gestaltetes PDF-Hochglanzmagazin namens „Inspire“ veröffentlicht, interessieren sich auch die Mainstream-Medien dafür.
AQAH ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Während langer Zeit war der Löwenanteil der jihadistischen Literatur nur auf Arabisch erhältlich. Das schränkte den Empfängerkreis empfindlich ein. Seit zwei, drei Jahren zeigen verschiedene Terrorgruppen aber zunehmendes sprachliches Talent und publizieren ihre Videos und Traktate in verschiedenen europäischen Sprachen. Diese Raffinesse ist ein Zeichen dafür, dass zunehmend Europäer nach Pakistan und Afghanistan reisen, um sich dortigen jihadistischen Gruppen anzuschliessen. Berichte und Bildmaterial belegen, dass mehrere Dutzend Engländer und Deutsche sich verschiedenen Terrorgruppen im Afghanisch-Pakistanischen Grenzgebiet angeschlossen haben.
Schweizer scheint es dort wenige oder keine zu geben. Ein ehemals in der Schweiz ansässiger Tunesier begab sich Ende 2007 nach Angaben des Nachrichtendiensts des Bundes, in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Ob sich der Tunesier immer noch dort befindet ist nicht bekannt. Weitere Fälle sind nicht öffentlich bekannt.
Selbstgefälligkeit ist für die Schweiz aber nicht angebracht. Auch die USA hatten lange Jahre mit grosser Selbstsicherheit beobachtet wie sich in Europa Muslime bis hin zur Gewaltbereitschaft radikalisierten. Die Amerikaner gingen davon aus, dass das in ihrem Land nicht passieren könne. Die muslimische Bevölkerung sei ja – im Gegensatz zu Europa –gut integriert. Das Fort-Hood-Attentat, der Times-Square-Anschlagsversuch und der versuchte Anschlag in Portland haben aber demonstriert, dass sich das Land in falscher Sicherheit gewiegt hatte.
Auch wenn die Schweiz nicht im Mittelpunkt terroristischer Bemühungen steht und wenige Verbindungen zu etablierten terroristischen Organisationen zu bestehen scheinen, können Attentate von radikalisierten Einzeltätern nie ausgeschlossen werden.
Die Fichenaffäre beeinflusst zudem die Nachrichtendienst-Politik noch immer stark. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) besitzt für Ermittlungen im Inland weniger weitreichende Kompetenzen als die benachbarten Nachrichtendienste. So darf der NDB in der Schweiz zum Beispiel keine nicht-öffentlichen Veranstaltungen belauschen. Das macht das Auffinden von gewaltbereiten radikalisierten Individuen nicht einfacher.
Anfangs November wurde in England die junge Studentin Roshonara Choudhry zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Sie hatte im Mai dieses Jahres versucht den Parlamentarier Stephen Timms zu erstechen und diesen dabei mit einem Küchenmesser schwer verletzt. Die erwähnten Youtube-Videos von Anwar Al Awlaki scheinen dabei eine Rolle gespielt zu haben. In der Vernehmung gab Choudhry an, sie hätte mehr als 100 Stunden Filmmaterial von Al Awlaki geschaut und die Videos hätten sie zur Tat inspiriert. Mit Hilfe Awlakis kam sie zur Überzeugung es sei ihre Pflicht Stephen Timms für seine Unterstützung der Irak-Invasion gewaltsam zu bestrafen.
Der Fall dieser Studentin ist ein Paradebeispiel für zwei Dinge.
Erstens: Die Vorstellung, es gäbe ein „Terroristen-Profil“ (arm, unterprivilegiert, etc) ist obsolet. Dachte man nach dem 11. September noch, Terrorismus liesse sich auf einfache externe Faktoren (Einkommen, Status) herunterbrechen, hat die Realität diese Vorstellung inzwischen unzählige Male wiederlegt.
Zweitens: „Selbstradikalisierte“ Einzeltäter ohne Anbindung an ein Terror-Netzwerk sind gemeinhin nicht zu komplexen Operationen fähig. Die Befürchtung „selbstradikalisierte“ Individuen könnten ein paar Anleitungen im Internet lesen und dann eine professionelle Bombe bauen, hat sich nicht bewahrheitet. Terrorismus ist ein Handwerk wie jedes andere, und wer nie an einer rechten Ausbildungsstätte war, bringt es nicht zum Erfolg.
Zum Autor: Danny Bürkli organisierte diesen Sommer die IFIL-Studienreise nach London zum Thema „Radikalisierung und politische Gewalt“. Mehr Informationen zur Initiative for Intercultural Learning (IFIL) gibt’s in diesem Polithink-Artikel oder unter www.ifil.ch.


Adriano Mannino
December 13, 2010
Zum Verzweifeln, was einem alles in den Mund gelegt wird. Drücke ich mich so schlecht aus? :)
Zunächst habe ich einfach konkret auf die folgenden, m.E. absurden Aussage reagiert:
“Dass diese Taten nichts mit dem Islam als Religion (egal ob liberal oder fundamentalistisch ausgelegt) nichts zu tun haben ist meiner Meinung nach ebenfalls richtig.”
“Es geht darum, warum jemand terroristische Anschläge durchführt. Grundsätzlich ist es dabei egal, welcher Ideologie er anhängt, dass kann ein christlicher Fundamentalismus sein, Islamismus, marxistisch-leninistisch- maoistisch, ethnisch oder rassistisch.”
Dann habe ich ein Wort über das Ramadan- bzw. Blancho-Milieu in Genf bzw. Biel verloren und gesagt, dass diese Milieus Jugendliche radikalisieren. Dass diese Phänomene äusserst bedenklich sind, steht ausser Frage. Ich habe aber betont, dass ich nicht die Kompetenz habe, zu beurteilen, welche Gefahren (allenfalls auch terroristische?) davon heute und in absehbarer Zukunft konkret ausgehen – und welche nicht.
Die beiden Thesen schliessen sich ja keineswegs aus – und sie sind in ihrer Allgemeinheit auch überaus trivial und uninteressant. Selbstverständlich können fundamentalistische Ideologien “wie ein Förderband” zum Terrorismus führen. Und selbstverständlich gibt es auch Gruppen, die sich trotz (oder, ihrem eigenen Verständnis nach, wegen) ihrer strengen Schriftauslegung von Gewalt distanzieren und “in spezifischen Situationen hervorragende Partner gegen den Terrorismus sind”. Und weiter gibt es natürlich auch noch diejenigen, die sich nicht wirklich oder nur unaufrichtig von Gewaltakten distanzieren, selbst aber nie zu den Waffen greifen würden. Relativ unergiebige Diskussion.
Danny
December 13, 2010
@Adriano: Die Diskussion ist schon wichtig, nur leider i.d.R. (und leider speziell wenn auf Foren/Blogs geführt) relativ vorhersehbar und nicht ergiebig.
Es gibt unter Experten (d.h. Akademikern, policy maker und Nachrichtendienste/Polizei) keine Einigkeit über die sogenannte “conveyor belt” – These. Diese sagt, dass fundamentalistische Gruppen Individuen wie ein Förderband zum Terrorismus hinführen (Das ist, sofern ich dich richtig verstanden habe, was du vertreten würdest. In der akademischen Literatur vertritt z.B. Lorenzo Vidino diesen Standpunkt).
Gegner dieser These postulieren – imho relativ überzeugend – das Gegenteil. Fundamentalistische Gruppen seien in spezifischen Situationen hervorragende Partner im Kampf gegen Terroristen (Ein prominenter Vertreter dieser Position ist z.B. Robert Lambert, ehem. Polizist und Gründer der Muslim Contact Unit MCU, London Metropolitan Police).
Adriano Mannino
December 12, 2010
Sorry, will euch nicht länger mit ausserordentlich unergiebigen Debatten belästigen, erlaube mir aber, noch anzufügen, dass die Debatte, “ob der Islam als Religion oder ob Religion allgemein besser geeignet sind, als Ideologien von Terroristen zu fungieren”, hier gar nicht geführt wurde, und dass Debatten auch dann wichtig sein können, wenn sie jemanden nicht interessieren.
Adriano Mannino
December 12, 2010
Nachbemerkung: Es ist wichtig, die Religion und insbesondere ihre traditionell-orthodoxe Version zu thematisieren, weil sie (freilich nicht in allen Ländern gleichermassen) an vielen Problemen nicht unwesentlich beteiligt ist. In Palästina etwa – um nur ein Beispiel zu nennen – verschärfen die Fundamentalismen (auf beiden Seiten) den Konflikt dramatisch. Ausserdem hat in der globalisierten Welt jeder Konflikt ein unbegrenztes Ausstrahlungspotential, wie etwa auch der Karikaturenstreit gezeigt hat.
Der Politologe Hamed Abdel-Samad hat unlängst ein lesenswertes Buch zum Islam veröffentlicht: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=430b793d-feb2-4cf5-8097-7f25b150a2fc
Danny
December 12, 2010
Die von dir Philippe angesprochene Debatte ist in der Tat ausserordentlich unergiebig.
Ich bin nicht ganz sicher auf was oder wen du dich beziehst wenn du schreibst, es sei gesagt worden, die Konstruktion einer islamistischen Bedrohung in der Schweiz basiere auf Fakten. Alarmismus und Aktionismus sind sicher nicht gerechtfertigt, die Schweiz steht in einer ganz anderen Position als andere europäische Länder, soweit hast du sicher recht. Ich würde aber dafür plädieren, unaufgeregt und nüchtern die Situation zu beobachten (anstatt einfach davon auszugehen, dass sowas bei uns ausgeschlossen ist).
Adriano Mannino
December 12, 2010
Fakt ist, dass es mindestens in Genf (Hani Ramadan) und Biel (Nicolas Blancho) islamisch-fundamentalistische Gruppen gibt, die die Steinigung befürworten und dies auch öffentlich erklärt haben. Das sind auch exakt die Milieus, die Jugendliche radikalisieren. Du glaubst doch nicht wirklich, dass diese Leute die islamische Rechtsordnung nicht prinzipiell auch hierzulande bzw. letztlich global einführen möchten (auch das wurde gesagt), nur weil sie teilweise Kreide fressen? Welche konkrete, allenfalls terroristische Bedrohung sich daraus genau ergibt (oder auch nicht), kann ich nicht beurteilen, dazu fehlt mir die Kompetenz.
Wer hat denn gesagt, der Islam oder die Religion allgemein seien “besser [als was?] geeignet, als Ideologien von Terroristen zu fungieren”? Es wurde nur festgestellt, dass die religiösen Fundamentalismen AUCH dazu geeignet waren und sind und dass das – entgegen dem politisch korrekten “common (non)sense” – leider auch etwas mit der Religion selbst zu tun hat.
Philippe Wampfler
December 11, 2010
Ich finde die Debatte wenig fruchtbar, ob der Islam als Religion oder ob Religion allgemein besser geeignet sind, als Ideologien von Terroristen zu fungieren.
Da gesagt worden ist, die Konstruktion einer islamistischen Bedrohung in der Schweiz basiere auf Fakten, möchte ich zurückfragen: Welche Fakten? Das Radikalste, was ich in der Schweiz schon gehört habe, ist die Verteidigung einer Steinigung in einem Land mit islamischer Rechtsordnung.
Adriano Mannino
December 11, 2010
Oben wurde behauptet: “Dass diese Taten nichts mit dem Islam als Religion (egal ob liberal oder fundamentalistisch ausgelegt) nichts zu tun haben ist meiner Meinung nach ebenfalls richtig.” Das scheint mir einfach falsch – und dagegen habe ich argumentiert.
Wenn es egal wäre, ob jemand christlich-fundamentalistisch, islamistisch, rassistisch, linksextremistisch oder wie auch immer motiviert gewalttätig wird, könnten diese Unterschiede zur Beantwortung der Fragen, warum, wann und wie einfach ausgeblendet werden. Das können sie aber offensichtlich nicht. Islamistisch motivierte Gewalt legitimiert sich ideologisch anders, wird in anderen Kontexten aktiv und nimmt auch (etwa aufgrund der Märtyrermetaphysik) andere Formen an als anders motivierte Gewalt.
Weiter kann man dann fragen: Unter welchen Bedingungen tendieren Menschen dazu, Ideologien anzunehmen, die sie zu Gewalt veranlassen? Vielleicht können die Humanwissenschaften dazu einige allgemeine, nicht-triviale Kausalzusammenhänge zutage fördern, vielleicht auch nicht. Das Klischee vom “Terroristen-Profil” jedenfalls ist längst obsolet. Die Realität scheint zu sein: Psychologisch attraktive Ideen – auch solche, die ihren Träger unter bestimmten Bedingungen zum Gewalttäter machen – können sich in dafür empfänglichen Gehirnen prinzipiell jederzeit und überall einnisten.
denkerhaus
December 10, 2010
Es geht darum, warum jemand terroristische Anschläge durchführt. Grundsätzlich ist es dabei egal, welcher Ideologie er anhängt, dass kann ein christlicher Fundamentalismus sein, Islamismus, marxistisch-leninistisch- maoistisch, ethnisch oder rassistisch. Dazu kommt noch, dass Radikalismus längst nicht auch zu militanz führen muss.
Adriano Mannino
December 10, 2010
“Dass diese Taten nichts mit dem Islam als Religion (egal ob liberal oder fundamentalistisch ausgelegt) nichts zu tun haben ist meiner Meinung nach ebenfalls richtig.”
Wie – um Himmels Willen! – sind solche Aussagen zu verstehen? Ist das einfach Ausdruck einer ad absurdum geführten political correctness? Die islamistisch motivierte Gewalt soll nicht einmal etwas mit der fundamentalistisch-extremistischen Version des Islams – dem Islamismus – zu tun haben?
Gewiss: Der Zulauf, den der Islamismus als Ideologie verzeichnet, hat auch etwas mit der arroganten Aussenpolitik insbesondere der USA und Israels zu tun. Dennoch ergeben sich die Taten unmittelbar natürlich aus dieser Ideologie, sie haben also viel mit ihr zu tun. Und wie die Gewaltbereitschaft in allen Religionen etwas mit dem Fundamentalismus zu tun hat, so hat auch der Fundamentalismus etwas mit der Religion selbst zu tun. Erstens ist er genauso Teil der religiösen Gesamttradition, d.h. der Religion wie die eher moderaten, liberalen Auslegungen. Und zweitens ist er historisch ursprünglicher. Wenn man einen Blick in die “heiligen” Schriften und die überaus gewalttätige Geschichte der grossen Monotheismen wirft, trifft man insgesamt leider kaum moderat-liberale Gottheiten, Propheten oder Kleriker an, ganz im Gegenteil. Intern hat die Gewaltbereitschaft auch eine gewisse Folgerichtigkeit: Wenn man den Willen Gottes zur absoluten Richtschnur des (guten und gerechten) Handelns erhebt und sich am Gottesbild der “unfehlbaren” Schriften orientiert, die Gott nicht selten als intoleranten und gewalttätigen Tyrannen darstellen, ist Gewaltbereitschaft folgerichtig. Sie ist auch dann folgerichtig, wenn man die Metaphysik von Himmel und Hölle wirklich ernst nimmt, denn dann wird der Andersgläubige, der Atheist oder der Anderslebende, der Unreine (etwa der Homosexuelle) nebenan zum viel grösseren Problem als der Sklavenhalter, der Kriegstreiber, der Mörder, der Kindesmisshandler oder der Vergewaltiger. Was ist das endliche diesseitige Leid schon gegenüber den ewigen Höllenqualen im jenseitigen Feuersee, die wir erleiden werden, wenn wir unser Seelenheil verwirken? Die Nächstenliebe gebietet es dann, alles, wirklich alles zu tun, um die Gläubigen und Reinen vor dem Einfluss der Ungläubigen und Unreinen zu schützen – und letztere, wenn möglich, auch vor sich selbst. Das Bisschen Gewalt im Diesseits ist nichts gemessen an der “gerechten” Strafe, die einen Ungläubigen im Jenseits so oder so erwarten würde.
Danny
December 10, 2010
@Philippe: Ich habe nicht die nachrichtendienstliche Überwachung von Privatanlässen gefordert, sondern schlicht festgestellt dass das Fehlen dieser Mittel die Arbeit der Nachrichtendienste nicht einfacher macht. Ob man dem NDB diese Mittel gewähren will oder nicht ist eine Güterabwägung die das Parlament machen muss.
Das es immer und überall wahnsinnig gibt, die im Namen von wem auch immer Leute abknallen ist sicher richtig. Dass diese Taten nichts mit dem Islam als Religion (egal ob liberal oder fundamentalistisch ausgelegt) nichts zu tun haben ist meiner Meinung nach ebenfalls richtig. Nicht einverstanden bin ich mit deiner Behauptung, dass diese Taten mit nachrichtendienstlicher Arbeit nicht verhindert werden können. Unzählige Beispiele im nahen und ferneren Ausland belegen das Gegenteil.
Adriano Mannino
December 10, 2010
Wenn der Islamische Zentralrat kein Anzeichen ist, was soll dann ein Anzeichen sein? Das ist exakt das Milieu, das Jugendliche radikalisiert.
Ob die nachrichtendienstliche Überwachung von Privatanlässen prinzipiell legitim ist, ist eine andere Frage. Wenn dieses Instrument gegen die richtigen Leute – insbesondere gegen (quasi-)faschistische, totalitäre Ideologen – und jeweils wohlbegründet eingesetzt wird, spricht nichts dagegen, ganz im Gegenteil. Die erklärte Gesellschaftsvision des Islamischen Zentralrats hat definitiv einen faschistisch-totalitären Charakter. Wer seine Freiheit in der liberal-demokratischen Gesellschaft dazu missbraucht, Ideologien zu verbreiten, die die Freiheit aller Andersdenkenden und -lebenden letztlich eliminieren wollen, kann keinen Anspruch auf umfassende Gewährleistung der eigenen Freiheitsrechte erheben – und muss damit rechnen, überwacht zu werden.
denkerhaus
December 10, 2010
Der Artikel ist in keiner Weise reisserisch. Im Gegenteil es ist eine Analyse, die auf Fakten beruht und mit einigen gängigen Klischees aufräumt. Daniel Pipes ist reisserisch; das hier nicht.
Es ist absolut richtig, dass es in der Schweiz und in anderen Ländern immer wieder Amokläufe gibt. Was aber eben auch richtig ist, dass es Gruppen von Leuten gibt, die Anschläge unternehmen und sehr wohl eine Verbindung zu islamistischen Gruppen existiert. Daneben scheint es nach Faktenlage auch eine notwendige Bedingung für einen “erfolgreichen” Anschlag zu sein, ein gewisses Mass an Ausbildung zu erlangen.
Nachrichtendienstliche Arbeit verhindert übrigens absolut Anschläge. In Deutschland hat diese zur Festnahme der sog. Sauerlandgruppe geführt.
Was hier nicht getan wird, ist den Islam pauschal als eine Gewalt fördernde Religion darzustellen, wie es an anderer Stelle geschehen ist. Man darf aber trotzdem nicht ignorieren, dass es diese Gruppen und Einzeltäter gibt.
Philippe Wampfler
December 9, 2010
Der Artikel ist ungenießbar reißerisch. Fakt ist: Es gibt keine Anzeichen für muslimische Gewalt in der Schweiz. Das als Anlass zu nehmen, nachrichtendienstliche Überwachung von Privatanlässen zu fordern, scheint eine reichlich absurde Folgerung zu sein – um nicht zu sagen eine paranoide. Es gibt ein paar Wahnsinnige, die weltweit Gewalttaten im Namen eines bestimmten Gottes verüben. Aber es gibt in der Schweiz auch immer wieder ein paar Wahnsinnige, die mit irgendwelchen Gewehren Leute abknallen. Bottom Line: Es gibt immer und überall ein paar Wahnsinnige, die irrsinnige Dinge tun. Das hat aber nichts mit einem radikalisierten Islam zu tun und kann auch nicht durch nachrichtendienstliche Überwachung verhindert werden.
Michael
December 9, 2010
Guter Artikel, Danny! Well done!
Meine Inputs habe ich ja schon gegeben, daher antworte ich auf den zweiten Punkt von Jan:
Ich bin nicht sicher ob die grundsätzliche Verfügbarkeit das Potential erhöht. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Gewaltdelikten, sprechen wir ja von geplanten Aktionen und da ist die Beschaffung der Mittel letztlich einfach ein Ding mehr, dass es zu erledigen gilt, bevor die Aktion gestartet werden kann. Vermutlich ist der Aspekt der Ausbildung zentraler, wichtiger und schwieriger zu erlangen, als die Mittel selbst.
Denkerhaus
December 9, 2010
sehr gut gelungener Artikel Danny.
- wir bleiben uns aber vorerst noch uneinig, dass es kein “Terroristen- Profil” gibt. Du hast recht, dass strukturelle Faktoren sich als unzureichend erwiesen haben; aber soziologische Erklärungsmuster spielen durchaus eine Rolle. Neben der ökonomischen kann es durchaus eine soziale Deprivation geben und diese kann auch Privilegierte treffen wie wir im Fall des “Unterhosenbombers” gesehen haben. Das macht leider aber die Identifikation auch nicht einfacher.
- sehr gut gefällt mir der Schlenker zu der notwendigen Bedingung einer Ausbildung. Interessant wäre die Frage, wie sehr die hohe Verbreitung von Kleinwaffen in der Schweiz fatalen Einzelaktionen mehr Potential zur Verfügung stellt?