von Anna Hool
Die moderne Gesellschaft von heute ist gekennzeichnet durch ein grosses Mass an Mobilität. Getrieben von der Idee der Selbstverwirklichung und der Tendenz zur Spezialisierung wird das räumliche Leben optimiert, soweit es die verkehrstechnischen Möglichkeiten finanziell und zeitlich erlauben. Der Arbeitsplatz wird so passend gewählt, wie es die Schmerzgrenze der Pendelzeit zulässt. Der Wohnort wird dort gewählt, wo sich Erreichbarkeit und Wohnungsmiete die Waage halten. Bei circa gleichbleibender individueller Reisezeit werden dank schnellerer Verbindungen grössere Strecken zurückgelegt. Freundschaften können über grössere Distanzen gepflegt werden und Auslanddestinationen rücken näher. Dieser Optimierungsprozess kann theoretisch beliebig voranschreiten, wenn sich die Mobilität erhöht. Dementsprechend wir Mobilität als eine Form der modernen Freiheit angesehen. Man denke beispielsweise an das Generalabonnement der SBB, dessen Besitz einem ermöglicht die ganze Schweiz beliebig oft und komfortabel zu bereisen zu einem fixen Preis. Ein bestimmtes Mass an Mobilität wird wohl unbewusst als Grundrecht gehandelt und der Anspruch darauf scheint selbstverständlich. Aber Mobilität kostet auch. Die vielfältigen und nicht immer direkt monetären Kosten müssen zwangsläufig gegen den Nutzen der Mobilität abgewogen werden. Schliesslich geht es um die Frage, wer was bezahlen soll und wie hoch die Kosten sein dürfen beziehungsweise wie man sie senken kann.
Verursacherprinzip à la Leuthard
Das in der Verfassung verankerte Verursacherprinzip besagt, dass die Kosten durch jene getragen werden sollen, die sie verursachen. Jeder würde demgemäss seinen Anteil am Verkehrsaufkommen bezahlen. Gerade bei der Mobilität gibt es aber traditionellerweise grosse Anteile, die von der öffentlichen Hand finanziert werden. Dies hat mit dem hohen Anspruch auf Koordination zu tun, der bei der Mobilität systematisch vorhanden ist. Aber auch ein gewisser Service Public wird erwartet, der allen ein Minimalmass an Mobilität ermöglicht. Des Weiteren gibt es Kosten der Mobilität, welche die Gesellschaft als Ganzes zu tragen hat und nicht direkt auf die Individuen bezogen werden können. Dazu gehören Bereiche wie die Zersiedelung, der Verlust an Kulturland oder die Lärmbelastung. Nichtsdestotrotz ist es eine immer wieder neu zu beantwortende Frage, wie viel von der öffentlichen Hand und wie viel von den eigentlichen Nutzern übernommen werden soll und wo die Grenze zwischen Mobilität als Grundrecht und Mobilität als Luxusgut anzusiedeln ist.

(Quelle: nachrichten.ch.msn.com)
Ende Januar dieses Jahres hat Bundesrätin Doris Leuthard Vorschläge präsentiert, welche die zukünftige Finanzierung der Mobilität, den Ausbau und Erhalt der Netze, in Richtung Verbraucher verschieben werden und damit die Mobilität für das Individuum verteuert. Investitionen vom Bund sollen laut Leuthard langfristig vermehrt durch die Benutzer abgegolten werden. Das gelte sowohl für den öffentlichen Verkehr wie auch für den motorisierten Individualverkehr. Viel Aufsehen erregt haben insbesondere die Vorschläge, dass die Steuerabzüge für das Pendeln nur noch innerhalb von Agglomerationen gelten soll und die Preise für Fahrtickets im öffentlichen Verkehr grundsätzlich zu steigen haben. Begründet wurden diese Vorschläge unter anderem damit, dass die Nutzer des öffentlichen Verkehrs heutzutage nicht einmal die Hälfte der verursachten Kosten bezahlen. So meinte beispielsweise FDP-Präsident Fulvio Pelli einst, dass ein durchschnittlicher GA-Besitzer in Wahrheit Kosten von 10‘000 CHF verursache, was dem Doppelten des bezahlten Preises entspricht. In diesem Zusammenhang sei auch an eine schon etwas früher diskutierte Idee erinnert, die das Verursacherprinzip so weit treiben will, dass man in Stosszeiten und auf stärker befahrenen Strecken proportional mehr bezahlt, um eine gleichmässigere Verteilung des Verkehrsaufkommens zu unterstützen. Es bleibt die Frage, inwiefern jemand entscheiden kann, wann er welche Strecke befahren muss beziehungsweise wie frei jemand in dieser Entscheidung sein soll. Pendler fühlen sich teilweise vor den Kopf gestossen, weil sie sich zum Pendeln gezwungen sehen.
Effizienz versus Verzicht
Neben der Kostenverteilung gibt es den weiteren wichtigen Aspekt der Kostenhöhe. Damit wären wir bei der Frage, wie hoch die Kosten der Mobilität sein dürfen und wie sie zu senken sind. Dies führt automatisch weiter zu der Frage, welche Kosten genau gesenkt werden sollen. Gerade beim Verkehr gibt es immer wieder Lenkungsmassnahmen, die primär darauf abzielen, die Kosten für die Umwelt zu senken, indem beispielsweise der umweltschonendere öffentliche Verkehr vom motorisierten Individualverkehr quersubventioniert wird. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Einsparen von Kosten in einem Bereich und dem Erhöhen von Kosten in einem anderen Bereich ist geprägt durch die Aggregation der politischen Meinungen in diesem Land. Abgesehen von der Frage, welche Kosten man genau senken will, kann man grundsätzlich zwei Ansätze unterscheiden, wie Kosten jeglicher Art gesenkt werden können. Kosten können entweder durch eine Effizienzsteigerung oder durch Verzicht verkleinert werden.
Effizienz ist ein beliebtes Wort und effizient zu sein ist fast immer positiv konnotiert. Effizienz ist das Verhältnis zwischen Output und Input, also ein relatives Mass. Effizienzsteigerungen werden häufig dadurch begründet, dass man die gleiche Nachfrage mit weniger finanziellen oder sonstigen Ressourcen abdecken kann. Um Effizienzsteigerungen zu vollziehen bedarf es neuen Lösungsansätzen, die nicht immer vorhanden sind. Gerade im technischen Bereich ringt man meist um die letzten paar Prozent Wirkungsgrad. Des Weiteren leidet eine Effizienzsteigerung häufig unter dem Rebound Effekt: Effizienzsteigerung induziert Nachfrage. Dies führt dazu, dass die Kosten absolut gesehen nicht sinken, sondern einfach mehr konsumiert wird dank einem besseren Output-Input-Verhältnis. Das ist auch übertragbar auf die Mobilität. Werden die Verkehrswege optimiert oder die Verkehrsmittel schneller, dann wachsen die zurückgelegten Strecken. Der Mensch freut sich nicht lediglich daran, dass er jetzt weniger Zeit für den gleichen Arbeitsweg braucht, sondern er überlebt sich plötzlich eine passendere Arbeitsstelle anzunehmen, die etwas weiter entfernt liegt. In einer rein wirtschaftlichen Denkweise, in der Wachstum grundsätzlich unendlich möglich ist, wird vielleicht nur die optimierte relative Grösse interessieren. Aber gerade im Bereich der Mobilität führt diese rein relative Optimierung zu stärker belasteten Verkehrswegen und mehr Energieverbrauch, sei dies in Form von Strom oder fossilen Brennstoffen.
Im Gegensatz zu einer Effizienzsteigerung ist der Verzicht schmerzhaft, weil es uns direkt in unserem Handeln einschränkt. Zudem geht man beim Verzicht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum und die Wohlfahrt allgemein geschmälert werden. Doris Leuthard weist im Rahmen ihrer erwähnten Finanzierungsvorschläge ebenfalls darauf hin, dass die Kosten deshalb gewachsen sind und wachsen, weil man einen hohen Standard an Mobilität und den entsprechenden Ausbau wünscht und niemand verzichten will. Deshalb ist der Verzicht auch generell in der politischen Agenda nicht besonders hoch im Kurs. Es fällt einem zudem besonders schwer zu verzichten, wenn andere nicht verzichten und die Kosten auf alle gleichmässig verteilt werden wie beispielsweise beim Ausstoss von Klimagasen oder auch abstrakteren Dingen wie der Zersiedlung.
Blankoscheck Freiheit
Die Situation und der Sinn des beliebten und populären Generalabonnements der SBB sind im Zusammenhang der Kostensenkung und Kostenoptimierung ebenfalls zweischneidig. Die Anzahl GA-Besitzer wächst und damit geht eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs einher, der, verglichen mit dem traditionellen Auto, umweltfreundlicher ist. Zudem fördert das GA die Mobilität von Familien, Pensionierten und Studierenden, weil ein abgestuftes Preismodell existiert. Leider ist das GA aber auch ein Blankoscheck, der die Leute zwar an den öffentlichen Verkehr bindet, aber keinen Anreiz zu einer bedachten Mobilität, zu einer Minimierung der Kosten darstellt. Wer ein GA hat, ist stets darauf bedacht „es herauszuholen“, das Verhältnis zwischen fix bezahlten Preis und gefahrener Strecke zu maximieren. Ein Wochenende im Tessin oder ein kurzer Abstecher in die Westschweiz sind im GA schon inklusive. Dies ist vor dem Hintergrund, dass der öffentliche Verkehr mittlerweile an seine Kapazitätsgrenzen stösst und ebenfalls Kosten jeglicher Art verursacht, fraglich. Man stelle sich das Pendant beim Stromverbrauch vor: Man bezahlt einen fixen Betrag und kann dann so viel Strom verbrauchen, wie man will. Auch für die SBB ist die wachsende Anzahl GA-Besitzer längerfristig ein Problem, weil die Kosten verursacht durch wachsende Reisedistanzen für die SBB überproportional ansteigen verglichen mit den Einnahmen durch nur marginal steigende GA-Preise. Solange keine Preisdiskriminierung bezüglich zurückgelegter Strecke besteht, sind die Reisedistanzen von GA-Besitzern nicht zu kontrollieren.
Das Thema Mobilität und insbesondere die Frage, wie viel Mobilität dem Einzelnen zukommt und welchen Anteil davon er aus eigener Tasche zu bezahlen hat, wird fortlaufend neu zu diskutieren sein vor dem Hintergrund des wachsenden Anspruchs und der dynamischen Rahmenbedingungen. Auch aus umweltpolitischer Perspektive wird man sich Massnahmen überlegen müssen, die Anreize für einen sparsamen Umgang mit Mobilität stiften, aber nicht zu einem als unwürdig empfundenen Zwang führen.
Zur Autorin: Anna Hool studiert im 8. Semester Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. Nebenbei ist sie als Studierendenvertreterin im Vorstand des Fachvereins tätig.


Gerd Weber
July 5, 2011
Ich denke, dieser Ansatz des VÖV und der SBB führt ins Leere!
Begründung: Früher wurde der Billettpreis auf Grund der Strecke berechnet (Gebirgsstrecken mit Faktor 1.5 bis 2.0) Ausserdem gabe es 3 Klassen der Beförderung.
Heute stellt es sich so dar, das die regionalen Verkehrsverbunde jedes ungerade und die SBB jedes gerade Jahr ihre Preise erhöhen.
Mit dieser Kostentreiberei, und damit verbunden, der Ausgabenvermeidung beim Bund, betrieben durch die neoliberalen Staatszerstörer, wird es den unteren Schichten verunmöglicht, überhaupt auf Reisen innerhalb der Schweiz zu gehen!
Deshalb können wir ein solches System wie in Deutschland, Frankreich etc. in der Schweiz überhaupt nicht gebrauchen und dürfen dies auch auf keinen Fall zulassen!
Diesem ist mit allem Nachdruck eine Absage zu erteilen!
Nun zum GA_Light; dies ist insofern eine NICHT durchdachte Option, weil ich regional gar keines benötige, da ich z.B. ein Verbund-Abo besitze, was auch deutlich billiger kommt!
Ein GA-CH können sich ohnehin nur die Grossverdiener leisten; und Bundesparlamentarier, welche dies auch noch geschenkt erhalten und nicht mit den Einkünften versteuern müssen!
So sind auch E-Tickets abzulehnen, weil sie ebenfalls nicht im Sinne der Passagiere und Kunden sind, da sie geradezu dazu einladen, Tarife nach Lust und Laune und nach Wetter zu kreieren; die Abzocke lässt grüssen!
Auch sind die heutigen Ticketpreise bereits viel zu teuer, und bieten nicht einmal Gewähr auf einen Sitzplatz in einem zumutbaren Rollmaterial. Der Preis befindet sich bereits am oberen Anschlag, und die Kunden dürfen nicht für die Misere bei der NEAT im Nachhinein für den Erfolg der Bahn bestraft werden!
Nein, der Bund soll aus Steuermitteln weiterhin für die Infrastruktur und das Rollmaterial aufkommen, und der Nutzer zahlt die Transportleistung. Und zwar so, dass je mehr Nachfrage, desto günstiger der Preis!
A propos Preis, die Preise im Internet sind auch an den Schaltern anzubieten, denn noch längst nicht jeder hat Internetanschluss oder kann sich diesen leisten, genauso wenig wie eine Kreditkarte! Dadurch werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen!!
Schlusswort; Diese Ideen à la DB und Herr Meyer sind strikt abzuwehren und zurück zu weisen!!!!
Hägar
June 3, 2011
Du schreibst, das Verursacherprinzip sei in der Verfassung verankert. Ich kann es dort aber nicht finden. Es würde mich sehr interessieren, wo das wirklich verankert ist!
Anna Hool
June 7, 2011
Das Verursacherprinzip ist unter Art. 74 in der Bundesverfassung verankert: “Die Kosten der Vermeidung
und Beseitigung tragen die Verursacher”. Allerdings wird das Verursacherprinzip in der Verfassung unter dem Titel “Umweltschutz” eingeführt und der Begriff “Kosten” wird nicht weiter definiert. Das wirft natürlich die Frage auf, was wir unter dem Begriff “Umwelt” verstehen und auf welche Sachverhalte das Verursacherprinzip demnach anwendbar ist. Zudem bleibt es eine Frage der Interpretation, welche “Kosten” internalisiert werden. Das Verursacherprinzip wird übrigens ebenfalls im Umweltschutzgesetz (USG) in Art. 2 beschrieben: “Wer Massnahmen nach diesem Gesetz verursacht, trägt die Kosten dafür.” Dort wird dann auch explizit der Begriff “Verursacherprinzip” genannt.
Titus
May 10, 2011
“Wer ein GA hat, ist stets darauf bedacht ‘es herauszuholen’…”: Dem kann ich nicht zustimmen. Ein GA ist mehr als bloss ein Blankoscheck fürs Fahren auf dem öV-Netz. Es beinhaltet beispielsweise auch den Mehrwert, sich nicht um ein Billett kümmern zu müssen (10 Min. früher am Bahnhof, Billettautomat, Zahlungsprozess etc.).
Vor allem aber fehlt mir der Aspekt der Sättigung. Wer ein GA hat, fährt vielleicht mehr als nötig wäre. Aber er oder sie fährt nicht endlos. Das ist wie mit den Pommes frites oder mit Schokolade oder mit xyz: Irgendwann hat man einfach genug. Darum stimmt die Annahme nicht, wonach ein GA ständig mehr Verkehr verursache.
Zudem plädiere ich dafür, sich vom Gedankenmuster zu verabschieden, wonach Mobilität Freiheit bedeute. Sich auf einer vorgegebenen Schiene oder Strasse vorwärts zu bewegen ist doch keine Freiheit.
Schliesslich fehlen mir noch unzählige weitere Aspekte, welche auch (aber nicht nur) hinter der GA-Frage stecken: Raumplanung, Überalterung, Bevölkerungswachstum, Energiefrage (Verlagerung auf die Schiene bei nicht mehr vorhandenen Erdölressourcen usw.). Mehr dazu hier: http://bit.ly/jINMgF
Anna Hool
June 7, 2011
Danke für den Link. Das ist ein sehr interessanter Bericht. Ich sehe viele Parallelen zu meinem Text, was die Themenwahl betrifft. Schlussendlich geht es auch um die Frage, wie hoch der Bedarf nach Mobilität sein darf/kann. Es hat aber einige mir neue Aspekte darin.
Zum Aspekt der Sättigung: Ich stimme dir zu, dass es ein Moment der Sättigung in jedem Fall geben muss. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob diese Sättigung distanz- oder zeitgesteuert ist. Es gibt viele Studien, die untersucht haben, wie lange ein Mensch pro Tag bereit ist zu reisen. Dieses Travel Time Budget erweist sich allgemein als sehr konstant (ungefähr eine Stunde pro Tag). Das heisst, dass die Menschen in der Tat nicht mehr als eine bestimmte Zeit pro Tag fahren. Wenn aber die Zeit der limitierende Faktor ist, dann spielt die Distanz offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Somit steigt bei sinkenden Fahrzeiten zwischen Destinationen die insgesamt zurückgelegte Distanz pro Tag. Wenn es nun eine Verbindung gäbe, die es ermöglicht innerhalb von 30 Minuten von Zürich nach Genf zu reisen, dann gäbe es Leute, die tagtäglich von Genf nach Zürich und umgekehrt pendeln würden.
Zum Thema Mobilität = Freiheit: Jedes Ausmass an Mobilität wird seine Randbedingungen (z.B. vorgegebene Strassen und Schienen) haben. Es wird deshalb auch niemals eine absolute Freiheit geben. Was ist aber mit der relativen Freiheit? Mehr Mobilität bedeutet doch mehr Freiheit? Wenn ich plötzlich nicht mehr an einen Ort fahren kann, an den ich zuvor noch fahren konnte, dann fühle ich mich doch relativ zu vorher in meiner Freiheit beschnitten?
Zu den weiteren Aspekten: Die Mobilität ist wirklich mit unzähligen Faktoren verknüpft, die Liste ist nach unten offen. Beispielhaft habe ich die Zersiederlung und den Verlust an Kulturland im Bereich Raumplanung genannt. Die Überalterung und das Bevölkerungswachstum sind interessante Aspekte, an die ich nicht gedacht habe. Bei der Energie habe ich versucht darauf hinzuweisen, dass es nicht nur um den Energieträger (z.B. Öl oder Strom) geht, sondern auch um den Energieverbrauch generell. Denn jede Form von Mobilität verbraucht Energie. Der Vorteil des öV’s in Bezug auf die fossilen Brennstoffe habe ich allerdings nur am Rande erwähnt.
Harald Jenk
May 4, 2011
Das Problem besteht ja bei jedem Abbonnement, egal ob es um ÖV oder den Zugang zum Internet geht. Wenn die Strassen im Winter zu gefährlich sind für mich (Eis) und Velo (Salz) habe ich auch schon mal ein Monatsabo für den Kurzstreckenverkehr gehabt, und Bus oder Tram dann prompt auch für die Distanz nur einer Haltestelle genommen, wenn gerade eines/r kam. Um zu vermeiden, dass die Infrastruktur immer mehr ausgebaut werden muss, sollte im Verkehr deshalb immer pro Fahrtstrecke bezahlt werden, nicht nur im ÖV sondern auch beim MIV. Statt private Autos wären dann nur noch Carsharingangebote wie z.B. Mobility oder Autolib (Paris) zulässig.
Anna Hool
June 7, 2011
Interessanter Ansatz mit dem Übertragen der Idee auf den MIV.
Stefan Lanz
May 3, 2011
Das GA ist schuld – eine etwas einfache Lösung
Zudem ist dieser Bericht 1:1 die offizielle Meinung des Bundesrates. Von einer unabhängigen Denkfabrik dürfte man etwas mehr kritische Töne erwarten. Ich erlaube mir einige Punkte zu ergänzen:
Betriebswirtschaft:
- Viele Abteilungen bei der SBB arbeiten nicht profitabel (z.B. Güterverkehr)
- Lohnkosten (diese variieren innerhalb der SBB extrem)
- Kein Wettbewerb für externe Zulieferer (z.B. Gleisbau)
Andere Faktoren:
- Einwanderung von 50’000 Personen pro Jahr, dies erfordert kurzfristig extreme Investitionen, sind jedoch langfristig gut angelegt.
- Rolls-Royce auf Schienen. Wir brauchen ja immer Speziallösungen welche auf die Schweiz angepasst sind. Neustes Beispiel sind Zugskombinationen mit spezieller Neigetechnik, welche wohl ein Vermögen kosten. In Japan fährt zwischen Kyoto und Tokyo alle drei Minuten ein Shikansen (Schnellzug mit bis zu 443 KM/h) und dies ohne Probleme. Was niemand überlegt, Innovationen kosten!!! Wer bezahlt dies wohl?
- In den 90er Jahren wurde propagiert, dass ein Umstieg auf die Bahn die einzige Lösung für die Zukunft sein wird. Es ist inkonsequent und unglaubwürdig, nun die Preise bei Abo’s und auf die meist befahrenen Strecken (Bern – Zürich) laufend zu erhöhen.
Zudem hat die Führung der SBB festgestellt, dass mit einem laufenden Klagelied über fehlendes Geld, Pensionskassenbeiträge etc. im Parlament Geld zu holen ist!!!
Anna Hool
June 7, 2011
Vielen Dank für den Kommentar. Ich möchte einige Ergänzungen meinerseits machen.
In keinem Wort gebe ich dem GA die Schuld für die bestehende Situation. Dass der Bedarf nach Mobilität scheinbar ungebremst steigt, hat mit viel grösseren Veränderungen in der modernen Gesellschaft zu tun. Ich denke aber, dass das GA die Probleme wohl kaum abschliessend lösen kann. Meiner Meinung nach können Institutionen wie das GA, welche die Mobilität in einer all-you-can-eat Art und Weise verkaufen, auf längere Frist der Eindämmung eines stetig steigenden Bedarfs nicht behilflich sein. Dies wirft natürlich die Frage auf, ob und wie stark das Bedürfnis nach Mobilität einzudämmen ist. Ich nähere mich dieser Frage, indem ich die Kosten von Mobiliät in einer sehr allgemeinen Form anzusprechen versuche. Unter Kosten verstehe ich nicht (nur) monetäre Kosten. Genau aus diesem Grund unterscheidet sich der Text auch von der Meinung des Bundesrates. Die Meinung des Bundesrates sieht primär die monetären oder monetarisierten Kosten. Zudem sieht der Bundesrat kein Ende des Wachstums, sofern jemand bereit ist für den weiteren Ausbau zu zahlen.