Am 11. März entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Buchpreisbindung. Nach dem neuen, vom Parlament beschlossenen Bundesgesetz über die Buchpreisbindung bestimmen die Verlage oder der Grosshandel die in der Schweiz geltenden Verkaufspreise für Bücher. Eine Buchhandlung muss die Bücher somit zum fixierten Preis verkaufen. Für das Parlament ist die Buchpreisbindung ein geeignetes Mittel, um die Schweizer Autorinnen und Autoren, die Verlage und den Buchhandel zu unterstützen und das Kulturgut «Buch» zu schützen. Die Buchpreisbindung fördere die kulturelle Vielfalt. Die Jungfreisinnigen haben gegen diesen Parlamentsbeschluss das Referendum ergriffen.
In der Deutschschweiz gab es bis 2007 gebundene Preise für Bücher. In der Westschweiz ist der Buchpreis seit Anfang der 90er Jahre frei. In der italienischsprachigen Schweiz war er immer frei. Die Preisbindung in der Deutschschweiz war zwischen Verlegern, Zwischenhändlern und Buchhändlern vertraglich vereinbart. Das Bundesgericht erklärte im Jahre 2007 diese Buchpreisbindung für unzulässig. Die Preise sind seither frei.
Auf Polithink erläutern der jungfreisinnige Fabian Schnell und die junggrüne Irene Kälin die Argumente für ihren Stimmentscheid.
Günstige Bücher statt staatliche Kartelle!
Wettbewerbskommission, Bundesgericht und Bundesrat sind sich einig: Die Buchpreisbindung ist nichts weiter als ein konsumentenfeindliches Kartell. Leider ist das Parlament zu dieser relativ einfachen Einsicht nicht in der Lage gewesen, weshalb nun das Volk am 11. März das letzte Wort über die Buchpreisbindung haben wird (dank eines Referendums der Jungfreisinnigen!).
Schaut man sich die Argumente der Befürworter an, wähnt man sich im Schlaraffenland. Die Buchpreisbindung soll für günstigere Bücher und Kulturvielfalt sorgen, kleine Buchhandlungen schützen und erst noch den Autoren dienen. Nachteile: Keine. Eine eierlegende Wollmilchsau also, und das erst noch CO2-frei. Leider haben Kartelle jedoch immer nur ein Ziel, nämlich überhöhte Preise durchsetzen und die Konsumenten schröpfen zu können. Profitieren würden in erster Linie die grossen Verlage und Buchhändlerketten.

Fabian Schnell hat Volkswirtschaftslehre studiert und doktoriert im Bereich Geldpolitik an der Universität St. Gallen. Er ist Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Schweiz und präsidierte von 2007-2010 die Jungfreisinnigen Kanton Zürich. Fabian Schnell arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei economiesuisse sowie am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und angewandte Wirtschaftsforschung (SIAW-HSG).
Bei genauerer Betrachtung muss man sogar feststellen, dass die Buchpreisbindung kein einziges der propagierten Ziele erreichen würde. Der Strukturwandel im Buchhandel kann nicht durch ein Preisbindungsgesetz aufgehalten werden, die Digitalisierung im Büchermarkt wird dafür sorgen. Zur Kulturvielfalt äussert sich das Gesetz faktisch nicht einmal, und selbst wenn die angestrebte Quersubventionierung unbekannter Autoren durch Bestseller funktionieren würde, wäre eine solche preisverzerrende Subvention die teuerste aller möglichen Unterstützungen. Maler oder Musiker existieren auch ohne Preisbindung, es gibt keinen Grund, weshalb dies nicht auch für Autoren gelten soll. Das Einzige, was damit von der Buchpreisbindung übrig bleibt, sind teurere Bücher.
Die Buchhändler- und Verlagslobby wird nicht die letzte gewesen sein, die sich per Gesetz vor den „Unannehmlichkeiten“ des Wettbewerbs schützen und auf Kosten der Konsumenten bereichern will. Umso wichtiger ist es, dass wir Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hier ein Präjudiz schaffen: Mit einem klaren NEIN zur Buchpreisbindung!
Mut zum Protektionismus zu Gunsten der Buchvielfalt!
Liberalisierung tönt gut. Ein Wort der Stunde. Freiheit im Blick. Doch die eigene Freiheit endet dort, wo diejenige des anderen beginnt, so ist das auch bei der Liberalisierung. Wir glauben gerne, dass durch Liberalisierung die Konsumentinnen von tieferen Preisen und besseren Leistungen profitieren. Aber das hat einen Haken. Denn die Liberalisierung dient, wenn man den Blick etwas globaler schweifen lässt, in primärer Hinsicht den Finanzmärkten, also jenen Geldumschlagplätzen, die uns seit einiger Zeit von Krise zu Krise mitschleppen. Liberalisierung ist nicht nur der Ruf nach Freiheit, Liberalisierung ist auch der Weg in die selbstverschuldete Abhängigkeit.
Nun reihen sich bei den Argumentationen gegen oder für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung auf beiden Seiten dieselben Argumente aneinander: Kulturförderung, tiefere Preise, besserer Schutz für Autorinnen und Verleger, Leseförderung. Wer soll da noch wissen, was dem Buch nun gut tut und was nicht?
Ein Trend zeichnet sich doch ab. Kleine Buchhandlungen scheinen ohne die Buchpreisbindung vom Aussterben bedroht. So mussten in Grossbritanien mehr als die Hälfte der Buchhandlungen schliessen weil sie dem Preiskampf nicht standhalten konnten. Trotzdem sind für die Konsumenten die Preise führ die Mehrzahl der Bücher nicht gesunken sondern gestiegen. Dasselbe Trauerspiel sehen wir auch in der Schweiz, insbesondere in der Romandie, wo die Preisbindung bereits 1993 aufgehoben wurde. Die Zahl der vor allem kleineren Buchhandlungen und Verlage nimmt stetig ab, wertvolle Arbeits- und Ausbildungsplätze in einer KMU-Branche gehen verloren.

Irène Kälin ist junggrüne Politikerin und sitz seit 2010 für die Grünen im Grossrat des Kantons Aargau. Sie studiert Islamwissenschaft und Religionswissenschaft an der Universität Zürich.
Was das Buch dazu sagt, wissen wir nicht. Lebt es sich glücklicher oder besser in einem Warenhaus der Bücher als in einer kleiner Buchhandlung?
Sei es auch aus Nostalgie und der Liebe zum Kleinen und Besonderen, aber wenn es den Schweizer Autorinnen und Autoren, den Schweizer Verleger und den kleinen Schweizer Buchhandlungen dient, dann sage ich ja zur Buchpreisbindung. Ja zu den Buchhandlungen, die mehr sind als Buchwarenhäuser, ja zu den Autorinnen und Autoren, die mehr können als einen Bestseller schreiben, ja zur Qualität statt Quantität und ein wenig Mut zum Protektionsmus zu Gunsten einer kulturellen und qualitativen Buchvielfalt in der Schweiz.
bergdietikon96
März 9, 2012
Irène Kälin sagt, dass ohne die Buchpreisbindung kleinere Bücherläden eingehen und Arbeitsplätze verlohren gehen. Das mag vielleicht stimmen. Doch wenn die Buchpreisbindung angenommen wird, werden die Konsumenten ihre Bücher im Internet oder im Ausland günstiger einkaufen. Das ist wiederum nicht vorteilhaft für kleine Bücherläden. Ich könnte mir vorstellen, dass auch so Bücherläden konkurs gehen könnten.
Meine Meinung gleicht eher dieser von Fabian Schnell. Jedoch finde ich den Vergleich mit einem Maler schlecht. Ein Bild eines Künstlers ist einzigartig (ein Buch ist das nicht). Wie kann man das überhaupt auf den Gedanken einer Preisbindung kommen? Das ist doch irgendwie undenkbar!?
Esther
März 3, 2012
Ich bin mir selbst noch nicht sicher, wie ich hier abstimmen soll, aber ich finde es sehr auffallend, dass gerade eine FDP, die sonst immer auf der Seite der Grossverdiener (ob Private oder Firmen) steht, sich hier (angeblich) so für die armen Konsumenten einsetzt. Irgendwie macht mich das misstrauisch…
Und wenn es tatsächlich überall im angrenzenden Ausland auch eine Preisbindung gibt (so steht es jedenfalls im Abstimmungsbüechli des Bundes), kann die Idee dann wirklich soo hirnrissig sein?!
@ Karl Hugentobler: Schaffen wir doch gleich alle Gesetze und Verbote ab, wer hat schliesslich das Recht sich in Ihre heilige Entscheidungsfreiheit einzumischen!
Thomas Läubli
März 2, 2012
Fabian Schnell äussert sich als Ökonom. Von Kultur versteht er leider nicht viel. Sonst wüsste er, dass es in der Tat eine Musikpreisbindung gibt. Läuft ein Signet auf einem Sender 5 Minuten, erhält der Urheber nicht gleich viel, wie der Pop-Artist für 5 Minuten. Bei den Büchern verhält es sich momentan so: die Bestseller werden durch Fachbücher und anspruchsvolle Literatur quersubventioniert. Das entspricht nicht der Kostenwahrheit. Um das zu verhindern, brauchen wir wieder eine Buchpreisbindung. So können Verlage den Preis selber bestimmen und erhalten wieder die Freiheit, auch Anspruchsvolles und Kritisches zu produzieren. So kommen auch solche Autoren (z.B. ein neuer James Joyce oder jemand, der ein Fachbuch zur Stochastik schreibt) zu ihrem Recht und können angemessen entlöhnt werden. Die Gegner der Preisbindung wollen nur unsere Kulturgüter zerstören, indem sie sich für Discounter einsetzen, die billigen Schrott und Entertainment anbieten.
Titus
März 1, 2012
Frau Kälin, Sie dürften bestimmt die WWF-Kampagne “Ich würde gerne etwas für die Umwelt tun, aber ich bin halt nur ein Plakat” kennen.
So ähnlich ist es bei diesem Gesetz: Ich würde gerne etwas für die Vielfalt und Qualität literarischen Schaffens tun, aber ich bin halt nur ein Preisbindungsgesetz.
Kein einziger der 14 Artikel erklärt mir, WIE es denn zur Förderung dieser Vielfalt und Qualität kommen soll. Dabei sprechen wir hier von einem Gesetz und nicht von einem Verfassungsartikel, der dann mittels eines Ausführungsgesetzes genau solche Fragen klären würde.
Fabian Schnell hat oben den Begriff “Quersubventionierung” verwendet. Den hört man verschiedentlich seitens Befürworter. Dennoch ist eine solche Quersubventionierung nur ein frommer Wunsch, denn dieses Gesetz schreibt nichts dazu vor. Ich zahle ja gerne drei Franken mehr für ein Buch, wenn ich dafür auch die Gewissheit erhalte, dass diese drei Franken tatsächlich in die Förderung der angesprochenen Vielfalt und Qualität fliessen.
Ein frommer Wunsch bleibt auch der Erhalt von Buchhandlungen. Sie haben mit diesem Gesetz bezüglich Preise gar nichts mehr zu sagen. Im Klartext: Der Buchverlag bestimmt den Preis, zu welchem eine Buchhandlung ein Buch einzukaufen hat und der gleiche Buchverlag bestimmt den Preis, zu welchem die gleiche Buchhandlung dieses Buch zu verkaufen hat. Die Marge dazwischen bestimmt somit der Buchverlag (oder Importeur) und dies ungeachtet von der reell benötigten Marge seitens Buchhandlung (zwecks Deckung der Personalkosten, Miete usw.).
Was ich letzten Endes am ärgerlichsten finde, ist das Auslassen der Autorinnen und Autoren, welche heute schon zu Hungerlöhnen entschädigt werden. Wer die Vielfalt und Qualität der schreibenden Gilde fördern will, der sorgt primär dafür, dass diejenigen anständig entschädigt werden, welche die eigentliche kulturelle Leistung erbringen. Nur: Auch davon steht in diesem Gesetz nichts.
Und falls es noch nicht aufgefallen ist: Das hat alles nichts mit Liberalismus oder billigen Buchpreisen zu tun. Wenn der Gesetzgeber tatsächlich die Vielfalt und Qualität schreibendem Schaffen fördern will (dazu gehören übrigens nicht nur die im Gesetz sehr eng gefassten Bücher), dann sollte er noch einmal über die Bücher gehen… ;-)
Herr Meier
März 1, 2012
Wann eigentlich haben es auch diese Neoludditen vom Buchverband begriffen dass wir nunmal im digitalen Zeitalter leben und dies schon seit über 10 Jahren – und es darum immer wie weniger Buchläden braucht? Denn es ist nunmal bequemer als erstmal Zeit und Geld aufzuwenden, um einen Buchladen aufzusuchen als es sich gleich übers Internet zu bestellen – und dies erst noch mit prompter Heimlieferung.
Es kann jedenfalls dem Konsumenten angehen , mit massiven Preisaufschlägen obsolete Vertriebsstrukturen zwangsmässig unterstützen zu müssen.
Denn gerade Internetbesteller müssen damit rechnen, pro Buch saftige Aufschläge mit bis zu 50%, wenn nicht gar mehr draufzahlen müssen – da der Buchverbandsfilz das Preisdiktat ja auch dem Ausland aufnötigen möchte !?
Züger, Roger
März 1, 2012
Frau Kaelin attestiert, dass wegen der Aufhebung der Buchpreisbindung in England viele kleine Buchhandlungen schliessen mussten. Was sie jedoch grosszügigerweise nicht erwähnt ist, das zeitgleich, auch viele andere Kleinbetriebe geschlossen wurden (z.B. Metzgereien). Zu glauben es gäbe hier einen kausalen Zusammenhang zwischen der Buchpreisbindung und den schliessen von Kleinbetrieben ist etwas weit hergeholt.
Ich bin der festen Ueberzeugung, dass all jene Ueberleben, welche innovativ sind und sich entsprechend im Markt positionieren werden. Das Geschaeft mit den Büchern ist im Wandel und ein Narr wer glaubt, dass das Verlagswesen und das Geschäft mit den Büchern in 5-10 Jahren (ob mit oder ohne Buchpreisbindung) in der jetzigen Form noch exiszieren wird. BeispieLe für solche Veränderungen gibt es genügende…
Deshalb ganz klar NEIN zur Buchpreisbindung.
Karl Hugentobler
Februar 29, 2012
Irene Kälin, warum mischen Sie sich in einen Vertrag zwischen mir und einem Buchverkäufer ein? Es steht Ihnen frei, Ihre eigenen Ersparnisse zur Förderung von Autoren oder Buchhandlungen Ihres Vertrauens einzusetzen. Doch wenn ich von irgendeinem Unternehmen ein Buch kaufe, dann geht Sie diese Sache überhaupt nichts an. Als unbeteiligte Dritte haben Sie hier, grob gesagt, überhaupts nichts zu melden. Natürlich gilt dies auch umgekehrt – auch ich werde mich nicht in Ihre Angelegenheiten einmischen. Meine Arbeit ist das Produkt meines Körpers, und mir allein gehört der Lohn dafür. Es geht nicht an, dass Sie für sich beanspruchen, wie ich mit meinen Ersparnissen umzugehen habe, und welche Unternehmen, Projekte oder Ideen damit unterstützt werden. Ich fühle ich von Ihren Herrschaftsansprüchen in meiner Integrität, meiner Freiheit, und meinem Eigentum angegriffen. Ich wähle meine Freunde, Bekannten und Vertragspartner selbst. Dazu gehört auch die Freiheit, Sie von diesem Kreis auszuschliessen. Darum bitte ich sie: Lassen Sie mich und meinen Buchkauf in Ruhe!
Alain Schreiner
Februar 29, 2012
Fabian Schnell hat vollkommen recht. Die Buchpreisbindung nützt einzig der Verlagslobby, indem diese uns Konsumenten mit überhöhten Preisen schröpfen kann!
Darum NEIN zur Buchpreisbindung am 11. März!