Das Rentenklaugame: Werbung aus Extremistan

Posted on Februar 28, 2010 von

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Am 7. März 2010 stimmt die Schweiz über die Anpassung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge ab. Anlässlich dieser Abstimmung präsentiert die SP Schweiz das Rentenklau-Spiel. Gegenüber Plakaten hat dieses Kampagnenelement entscheidenden Vorteil: Es ist ein Mittel Extremistans.

Die Wirkung eines Plakates ist vergleichbar mit dem Einkommen einer Zahnärztin: Eine Zahnärztin kann in einem gewissen Zeitraum nur eine beschränkte Anzahl Patienten empfangen. Obwohl ihr Einkommen Schwankungen unterworfen ist, wird sie an einem Tag nie signifikant mehr verdienen, als an den Restlichen ihres Berufslebens.

Demgegenüber steht etwa das Einkommen einer Börsenhändlerin: Die Arbeit, welche beim Kauf von 10’000 Aktien verrichtet werden muss, ist dieselbe wie beim Kauf von 1’000’000 Aktien. Es ist derselbe Telefonanruf, derselbe Mausklick, dieselbe Denkleistung. Die Börsenhändlerin kann ihrem Einkommen durch eine geschickte Transaktion ohne Aufwandssteigerung mehrere Nullen hinzufügen.

Nassim Nicholas Taleb: The Black Swan

N. N. Taleb: The Black Swan

Ausgehend von dieser Überlegung konstruiert Nassim Nicholas Taleb in seinem Buch The Black Swan zwei Welten: Mediokristan und Extremistan. Zahnärztinnen sind, wie etwa auch Masseure oder Prostituierte der ersteren Welt zuzuordnen: Ausreisser fallen hier nicht stark ins Gewicht, der Lohn ist einer Obergrenze unterworfen. Die Börsenhändlerin hingegen lebt in Extremistan: Ohne Mehraufwand kann sie ihr Einkommen massiv steigern.

Und nun zurück zum Abstimmungskampf der SP: Wie das Einkommen von Zahnärztinnen sind auch Plakate Restriktionen unterworfen: Nehmen wir (vereinfachend) an, dass ein Plakat durchschnittlich von 500 Passanten gelesen wird. Pro 500 Wählerinnen, welche die SP erreichen will, muss sie also eine Plakatwand mehr bezahlen. Ähnlich verhält es sich mit anderen klassischen Abstimmungselementen wie Handzettel oder Briefpost.

Demgegenüber ist das Rentenklaugame keiner solchen Beschränkung unterworfen: Ob nun 10’000 oder 100’000 Personen spielen, der Aufwand der Entwickler bleibt derselbe. Das Spiel ist folglich ein typisches Mittel Extremistans.

Noch ein Wort zu den Plakaten der Minarettgegner: Nun, ihnen ist es gelungen ein Mittel Mediokristans zu einem Mittel Extremistans zu machen: Noch bevor nur eines der provokativen Plakate hing, verbreitete sich das Sujet in allen Medien, auch dem Internet.