Der steinige Weg der faulen Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen

Posted on März 4, 2010 von

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Wir haben zu wenig Chemikerinnen und Ingenieure. Weil diese Berufe „mühsam“ sind, mangelt es dort an Studierenden. Stattdessen wählen die jungen Leute geisteswissenschaftliche Fächer, die zwar „viel ringer gehen“, man aber gar nicht brauchen kann. So lauteten die Worte Christoph Blochers im Sonntagstalk „Doppelpunkt“ mit Roger Schawinski auf Radio 1. Als sinnvolle Massnahme gegen das Malheur, welches ausserdem dazu beiträgt, dass wir Chemikerinnen und Ingenieure aus Deutschland holen müssen, sieht er die Erhöhung der Anforderungen an den „geisteswissenschaftlichen Universitäten“, welche nämlich recht einfach zu meistern seinen. Zudem soll die Zahl der Studierenden in diesen Fächern begrenzt werden.

Rico Bandle, Kulturchef des Tagesanzeiger und selbst Geisteswissenschaftler gesteht in einer Reaktion auf das Interview ein: „Bei der Studienwahl teilte sich die grosse Gruppe der Faulen in zwei Hälften: In jene, die trotz aller Bequemlichkeit an Karriere und Geld dachten und jene, denen Karriereaussichten egal waren. Erstere studierten Wirtschaft oder Recht, die anderen Soziologie oder Geisteswissenschaften. Anstrengende, zumeist technische Studiengänge bleiben der kleinen Minderheit der Fleissigen und Hochbegabten vorbehalten.“

Geisteswissenschaftlereinnen verzeichnen tatsächlich den grössten Prozentsatz Erwerbsloser unter den Hochschulabsolventen. Dies bestätigt, dass die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt durch das Angebot nicht abgedeckt wird.

Quelle: Tagesanzeiger

Dies bestätigt aber nicht, dass Geistes- und Sozialwissenschaftler den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Geringer Widerstand ist wohl eher dort anzutreffen, wo blendende Aussichten auf finanziellen Erfolg sich an einem nicht ganz so trockenen technischen Studium wie dem der Natur- und Ingenieurwissenschaften, koppeln.

Herr Blocher vertritt als Jurist einen Berufsstand in welchem Abgängerinnen selbst mit einem mässigen Studienabschluss einer guten Arbeitsmarktsituation entgegenblicken.

Wie meine eigene Erfahrung lehrt und zahlreiche Kommentare auf Tagesanzeiger Online bestätigen, sind Sozial- und Geisteswissenschaftler dazu angehalten, während dem Studium zahlreiche praktische Erfahrungen und zusätzliche Qualifikationen einzuholen, um künftig den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt bestreiten zu können. Dies ist jeder und jedem, die oder der einen derartigen Studiengang antritt bewusst. Wer Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert, stellt sich gerade einer Herausforderung, die viel Selbstverantwortung, Disziplin und vorausschauende Planung verlangt. Die Studieninhalte mögen eine geringere Komplexität als die der Ingenieurwissenschaften aufweisen. Blickt man jedoch auf die künftige Arbeitsmarktsituation, so dürfen sich Sozial- und Geisteswissenschaftler von allen am wenigsten Faulheit leisten.