Abstimmungssonntag im Hochrechnungsfieber

Posted on März 7, 2010 von

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Heute stimmte das Schweizer Volk über den Verfassungsartikel Forschung am Menschen, die Tierschutzanwalt-Initiative und die Referendumsvorlage über die Anpassung des Mindestumwandlungssatzes (BVG) ab. Die erste Vorlage wurde mit 77.2% deutlich angenommen, den beiden letzten wurde mit 29.5% bzw. 27.3%  Ja-Stimmen eine klare Absage erteilt.

Da die Urnen in einzelnen Kantonen erst um 14 Uhr schliessen, können die kantonalen Resultate auch erst im Laufe des Nachmittages veröffentlicht werden. Um der Warterei etwas entgegenzuwirken lädt das Schweizer Fernsehen bereits um 12.30 Uhr zur Betrachtung erster Trends mit Claude Longchamp ein. Gegen 13 Uhr stehen dann die Hochrechnungen bereit, welche die endgültigen Ergebnisse um +/- 1-2%  genau voraussagen können.

Was sind aber diese Hochrechnungen und wie kommen sie zustande? Als Teil des Hochrechnungsteams war ich heute mit Claude Longchamp und seinen MitarbeiterInnen vom Institut Gfs.bern im Fernsehstudio dabei und erhielten so einen Blick hinter die Kulissen.

Um zu gewährleisten, dass die Hochrechnungsprozesse heute strukturiert und schnell erfolgen konnten, musste schon viel Arbeit im Vorfeld erledigt werden. Meinen Beitrag hierzu leistete ich vor gut drei Wochen, wie alle des aus Studenten und Studentinnen zusammengesetzten „Telefonteams“. Ich kontaktierte rund 50 schweizer Gemeinden um diese nach dem voraussichtlichen Eintreffen ihrer Resultate sowie der gewünschten Übermittlungsform der Ergebnisse zu fragen.

Wie meine Gemeindeliste nach der Telefonaktion vermuten liess, begann der Einsatz heute sehr gemächlich: Bei unserer Ankunft am Leutschenbach um 9.30 hielten uns vorerst einzig die Aargauer Gemeinden, deren Stimmlokale bereits um 10 Uhr schliessen, auf Trab. Die Aufmerksamkeit des siebenköpfige Teams galt zunächstder Übertragung des Super-Gs, welcher – wir sind ja beim Schweizer Fernsehen- über die beiden Bildschirme in unserem Arbeitskämmerlein flimmerte. Bald darauf wurde auf die Probeaufnahmen im Fernsehstudio umgeschalten, wo Urs Leuthard und Claude Longchamp noch unkravattiert bzw. unbefliegt für die Sendung probten.

Zirka um elf Uhr wurden die Faxgeräte und Telefone warm und bis um 13 Uhr herrschte hektisches Treiben bei Longchamps Heinzelmännchen und -frauen: Telefonate entgegennehmen, Resultate notieren um diese zusammen mit den Ergebnissen aus den elektronischen sowie Fax- Mitteilungen in die Exel-Files eintragen und abspeichern. Kaum abgespeichert, konnten die Gfs-MitarbeiterInnen des Hochrechnungsteams oben im Fernsehstudio auf die Daten zugreifen und sie zu hochgerechneten Abstimmungsergebnissen verarbeiten.

Um 12.30 gingen Leuthard und Longchamp auf Sendung, wovon wir aber trotz zweier Fernseher im Raum nur wenig mitkriegten. Um 13.15 war dann die Grosszahl der Ergebnisse im Kasten und Longchamp präsentiert die frisch gezauberten Hochrechnungen. Während wir auf die letzten ausstehenden und nur noch langsam hereintröpfelnden Gemeindeergebnisse warteten, machten wir uns hungrig über die ins Arbeitszimmer eingeschleuste Happen vom  SF-Mittagsbuffet her. Mit Durchstreichen der letzten hängigen Gemeinde auf der Liste war unsere Arbeit dann vollbracht. Zuhause angekommen schaltete ich SF info ein und holte nach, was ich im Dateneifer verpasst hatte. Ganz nah dran, und doch so weit weg vom Fernsehglamour, eben ein Einblick hinter die Kulissen.

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