Elite? Aber bitte mit Pfiff im Kopf!

Posted on März 8, 2010 von

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Im Magazin des Tagesanzeigers vom 6.3.2010 schreibt Ludwig Hasler über die Elite. Er ist sich sicher: Obwohl uns schon das Wort „Elite“ nervt, brauchen wir sie. Doch welche?

Wie alle Menschen, schreibt der Philosoph, ist auch die Elite konservativ. Ein Gewohnheitstier, welches das Neue meidet. Im Interesse des Machterhaltes bevorzugt die Elite den Status quo – und verliert so die Realität aus den Augen. Beispiel gefällig? Marcel Ospel. Nach Jahren der ungebremsten Wertschöpfung war er blind für das Offensichtliche: Etwa die hoch verschuldeten Hausbesitzer in den USA.

Nach diesem Muster handelte auch der Bundesrat in der Bankenkrise. Die alten Steinbeisser in Bern versuchten die Probleme auszusitzen. Sie wollten, dass alles wieder so wird wie es war. Doch heute ist eine neue Elite gefordert. Eine flexible: mit „Pfiff im Kopf und Frechheit im Herz“.

Quelle: dasmagazin.ch

Quelle: dasmagazin.ch

Probleme sind laut Hasler besonders bei der Funktionselite vorhanden. Manager, Regierungsleute, Chefärzte, Gewerkschaftschefinnen, Verlege, Anwälte, Rektoren. Diese Führungsleute folgen Rationalitätskriterien, die dem jeweiligen Funktionsbereich eigen sind: Profit für die Wirtschaft, Mehrheitsbeschaffung für die Politik etc. Funktionseliten dienen also der Logik ihres Teilsystems. Kluge Funktionseliten, weiss der Autor, wagen den Blick über den Tellerrand des eigenen Systems. Nur so werden sie zur gesellschaftlichen Elite, der einzigen Elite, die den Titel verdient. Ihr Credo muss wie folgt lauten: „Ich muss alles tun, damit möglichst alle um mich zu ihrer Glanzform finden, dann laufe auch ich zur Hochform auf“.

Eine Herausforderung stellt die zunehmende Spezialisierung dar. Rechtsanwälte werden ersetzt durch Scheidungsanwälte, Wirtschaftsanwälte und…. Tieranwälte. Dieser Trend führt nicht zur gewünschten Öffnung, sondern zur Verengung des Denkradius. Nicht das berufliche Können, sondern die richtige Haltung befähigt also zur Elite. An der Hochschule holt man sich heute ein Kompetenzen-Portfolio: „Als käme es darauf an, Kompetenzen zu haben (die jeder Depp hat)“. Unseren Eliten fehlt es demnach nicht an Können. Die Frage ist vielmehr: wohin mit dem Können? Weitblick, Urteilskraft und Demut lässt sich kaum schulen, nur üben.

Und die heutige politische Elite? Mit einem Berner Fürsprech-Examen und etwas Commonsense ausgerüstet wird jeder und jede zum Politiker oder zur Politikerin. Wir wollen Politikerinnen, die in der Krisenzeit zum Übermenschen werden. Trotzdem sollen ganz auf dem Boden bleiben…. Doch wie sollen die Politiker/innen den deutschen Finanzminister beeindrucken, wenn sie nicht einmal uns beeindrucken dürfen?

Eine mögliche Lösung, so schliesst der Autor sein Essay, ist Roger Federer. Was er kann, kann niemand. Er zögert nicht, seine Gegner vernichtend zu schlagen. Und trotzdem wird er von allen gemocht. „Schweizer dulden keine Elite? Roger Federer studieren“!

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