Professoren: Vielseitigkeit ist erwünscht

Posted on März 13, 2010 von

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Der Hörsaal der Universität ist voller Studierenden, es ist still. Aufmerksam wird den Worten der Professorin gefolgt: Dies wäre wohl die Traumvorstellung der meisten Dozentinnen und Dozenten. Doch welcher Professor könnte wohl so für seinen Stoff begeistern?

Natürlich ist ein Professor nicht ein Animateur, dessen oberstes Ziel es ist, das Publikum zu unterhalten, aber seinen Stoff auf eine interessante Weise zu vermitteln, sollte doch zum Berufsverständnis einer Professorin oder eines Professoren gehören. Wenn Dozierende lustlos ein paar Worte zu Powerpoint-Präsentationen sagen, die ihre Assistierenden – manchmal Jahre vorher – vorbereitet haben, löst dies wenig Begeisterung unter den Studierenden aus. Dozierende die ihr Fachgebiet auf eine lebendige Art und Weise vermitteln und die auch wirklich daran interessiert sind, dass die Studierenden etwas lernen in ihrer Vorlesung, treten auch viel motivierteren Zuhörerinnen und Zuhörern gegenüber.

Könnten die Studentinnen und Studenten die neuen Professoren bestimmen, wären wohl humorvolle und unterhaltsame Kandidierende am begehrtesten. Würden die anderen Professorinnen und Professoren eines Instituts die Neue oder den Neuen auswählen, wären erfahrene Kollegen, von denen man sagt, es sei angenehm mit ihnen zu arbeiten, am stärksten umworben. Wäre es die Universitätsleitung, die unter den Bewerberinnen und  Bewerbern auswählt, hätten wahrscheinlich renommierte Forscherinnen und Forscher mit bekannten Namen den Vorrang bei der Stellenbesetzung. Glücklicherweise haben in Berufungskommissionen – die jeweils zur Vergabe einer Professorenstelle ins Leben gerufen werden – die verschiedenen Gruppen Einsitz. In diesen Kommissionen diskutieren alle Professoren des Instituts, einige Professoren von anderen Instituten, Vertreter des Mittelbaus (z.B. Assistierende) und Studentenvertreter darüber, welcher Bewerber die Anforderungen fürdie offene Stelle am besten erfüllt.

Zurzeit bin ich Mitglied in der Berufungskommission für die Neubesetzung des Lehrstuhls „Schweizer Politik“ und versuche die Interessen und Ansichten der Studenten und Studentinnen einzubringen. Dies ist gar nicht so eine einfache Aufgabe, denn die Ansichten der Studierenden zu erkennen, fällt nicht so leicht, da es sich um eine sehr grosse Interessengruppe handelt. Es ist daher zentral, dass die Studierenden an den Probevorlesungen der Kandidierenden teilnehmen, um mir dann ihre Meinung mitzuteilen. Gerade weil es schwierig ist für eine einzige Person, die Meinung der gesamten Studentenschaft zu vertreten,wäre es wünschenswert, dass in den Berufungskommissionen – anders als bisher – mehr als eine Studentenvertreterin Einsitz nehmen dürfte.

Da sich die verschiedenen Interessengruppen an der Wahl der neuen Professorin oder desneuen Professors beteiligen, wird vermieden, dass eine Wahl auf zu einseitigen Kriterienerfolgt. Denn genauso wenig wie die Länge der Publikationsliste eines Professors allein entscheidend ist, ob er angestellt wird, ist es nur das Talent in der Lehre. Neben der Erfahrung in der Forschung, wofür die Publikationsliste ein Indikator darstellt und der Beliebtheit bei den Studenten, ist es ein weiteres wichtiges Kriterium auch das fachliche Spezialgebiet. Jede neue Anstellung sollte ein Institut bereichern und neue interdisziplinäreAnknüpfungspunkte schaffen.

Es sind verschiedene Qualitäten und Qualifikationen, die Aufschluss darüber geben, welche Bewerberin oder welcher Bewerber sich am besten eignet, um einen Lehrstuhl neu zu besetzen. Da sich die Berufungskommissionen aus verschiedenen Interessengruppen zusammensetzen, sollte es gelingen, eine ausgewogene Wahl zu treffen. Den neuen Professorinnen oder dem neuen Professoren gelingt es hoffentlich, jeweils nicht nur die Berufungskommission von sich zu überzeugen, sondern auch die Studierenden, die dann den Vorlesungen still und aufmerksam folgen.

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