«Der SVP-Vormarsch ist nicht zu stoppen»

Posted on März 30, 2010 von

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Sicher: Die Linke verteidigte am Wochenende in Bern eindrucksvoll ihre Mehrheit im Regierungsrat. Aber die Wahl der Legislative war für sie ein Desaster. Die Verluste der SP waren wohl absehbar. Doch anders als in anderen kantonalen Wahlen, wurden die Verluste der Sozialdemokraten nicht durch Gewinne der Grünen kompensiert.

Dem gegenüber stehen massive Gewinne des bürgerlichen Blockes: Durch die Spaltung im Jahr 2008 verlor die SVP 17 Mandate an die BDP. Gestern konnte letztere aber gar noch zulegen und kommt neu auf 28 Sitze. Und die SVP? Auch sie konnte die Spaltung zur Mobilisierung nutzen: Bis auf drei Sitze kompensierte sie die Übertritte zur BDP. Eine Demonstration. Michael Hermann weiss: „Der SVP-Vormarsch ist nicht zu stoppen“.

Ist er das?

Der Vormarsch mag kurz- oder mittelfristig nicht zu stoppen sein. Aber Langfristig? In seinem 2005 veröffentlichten Buch „Der Aufstieg der SVP“ schrieb der Politologe Hanspeter Kriesi: „[Es] lässt sich aufgrund unserer Ergebnisse vermuten, dass die SVP in den meisten Kantonen ihren Zenit mehr oder weniger überschritten hat. Die Potenziale sind ausgeschöpft, die Sättigung ist erreicht. Die Partei wird kaum weiter wachsen.“

Kriesis Worte scheinen, im Anbetracht des oben Geschriebenen, aus der Luft gegriffen zu sein. Doch sie beruhen auf einer soliden Datenlage: In der Tabelle sind die Wählerpotenziale fünf verschiedener Parteien im Kanton Bern dargestellt. Die Daten wurden anhand der Selects-Umfragen erhoben und beziehen sich auf die nationalen Wahlen im Jahr 2003. Das Potenzial der SVP beträgt im Kanton Bern demnach 43.2 % der Wählerstimmen. Die Tabelle stellt auch die Ausschöpfungsquote dar: Mit 29.6 % der Stimmen schöpfte die SVP 43.2 % ihres Potenzials aus. Im oberen Teil der Tabelle werden ferner die Überlappungen zwischen den Parteien dargestellt. So konnten sich etwa 58 % der SVP Wählerinnen im Kanton Bern vorstellen, die Sozialdemokraten zu wählen.

Die Tabelle zeigt klar: Das Wählerinnenpotenzial der SVP ist beschränkt. Es ist nicht höher als jenes der anderen Parteien. Die SVP zeichnet sich aber durch eine weit überdurchschnittliche Ausschöpfungsquote aus: 68.5 % jener Berner, welche sich vorstellen könnten die SVP zu wählen, wählen sie auch. Zum Vergleich: Die SP mobilisiert nur 49.8%, die FDP gar nur 34,3 % ihrer potenziellen Wählerinnen.

Aber wie würde die Tabelle unter Einbezug der BDP aussehen? Wir können (vorerst) nur spekulieren. Das Wählerinnenpotenzial dürfte sich etwa im Bereich der SVP und der FDP bewegen. Die Ausschöpfungsquote der FDP währe wohl tiefer als 34.3 %. Weiter wird sich die BDP stark mit anderen Parteien überlappen, auch mit Parteien aus dem Linken Lager.

Egal wie sich die BDP in das Geschehen einfügt, das Wählerpotenzial der SVP wird sich kaum vergrössert haben. Dieses vergrösserte sich auch nicht in den Jahren 1995 bis 2003, Kriesis Untersuchungszeitraum. Der Erfolg der SVP ist in erster Linie auf das hervorragende Mobilisieren des eigenen Potenzials zurückzuführen. Wenn die Partei ihr Wählerpotenzial nicht erweitern kann, wird die Mobilisierung aber ein Plafond erreichen. Die SVP Vormarsch wird, ob mittel- oder langfristig, stoppen.