Hinter dem Schleier

Posted on April 5, 2010 von

4


Am 2.4. strahlte das Schweizer Fernsehen den DOK „Hinter dem Schleier“ von Karin Bauer aus. Im Zentrum des Films stehen die 30-jährige, türkischstämmige Bankerin Lüftye, welche mit ihrem Verlobten Erol die liberale, nicht-praktizierende Mehrheit der schweizer Muslime repräsentiert. Weiter wird die aus dem Jemen stammende Politologin Dr. Elham Manea portraitiert, welche eine Modernisierung des Islams postuilert. Als Vertreter der 15% streng gläubigen Muslime im Land lernen wir den orthodoxen Aziz Osmanoglu, Sekretär der Muslimischen Gemeinde Basel, kennen. Mit seiner verschleierten Frau und seinen Kindern führt er gemäss DOK ein Leben wie im Mittelalter.

Vodpod videos no longer available.

Wie gehen Alkohol, Parties, Rauchen und Sex vor der Ehe denn mit dem Islam einher? Islam à la carte, geht das?, fragt die Autorin Lüftyes Freunde. Und wie liberal ist das junge Paar denn wirklich, wenn ein Zusammenziehen vor der Verlobung nicht in Frage gekommen ist? Ihr Verhalten erinnere an die 50er Jahre, so der Kommentar.

Muslime in der Schweiz, Spannungsfeld zwischen 50er Jahre und Mittelalter?

Die Autorin geht von einem unrealistischen, sekulären Gesellschaftsbild aus. So bezeichnet sie Elham Manea, ihren schweizer Mann und Tochter als eine „ganz normale, nicht religiöse Familie“ und setzt den Massstab für Normalität und Integriertheit bei einer unreligiösen Lebensweise an. Die Zuseherin läuft Gefahr selbst Lüftye und Erol als nicht ganz integriert zu betrachten. Dabei gehen zahreiche schweizer Christen vergessen, welche ihr Leben sogar noch frommer gestalten. Islam à la Carte scheint die Autorin zu verunsichern, während sie doch in einem Land lebt, wo Christentum à la Carte normal ist.

Der zweite Teil der Reportage liefert Einblicke in verschiedene muslimische Institutionen: „Der Koran ist mein Buch und der Islam die beste Religion. Es gibt keinen Gott ausser Allah…“ singen die Kinder in der Koranschule…heikel! Auch problematisch bezeichnet die Autorin eine Predigt in der Al-Rahma Moschee in Basel: „Dort gilt der Islam als die einzige wahre Religion“.

Heikel? Liegt es nicht im Wesen eines streng ausgelebten Glaubens, andere Glaubenskonzepte abzulehnen und den eigenen Glauben als den einzig wahren anzusehen? Es ist nicht meine Absicht, das Gezeigte zu verharmlosen. Verschiedene Szenen hinterlassen zweifelsohne einen gewisses Unbehagen. Der DOK stellt aber zuweilen Dinge als heikel dar, welche nicht speziell für den Islam, sondern eher für eine strenge Glaubenspraxis per se stehen.

Andere Sequenzen sind problematischer: Etwa wenn der in der Schweiz geborene Aziz Osmanoglu vor der Kamera beteuert, dass die Einführung der Scharia wünschenswert sei. Seiner Ansicht nach ist das Schlagen der Ehefrau etwa bei der Verweigerung von Sex richtig. Sein mangelder Respekt gegenüber dem hier geltenden Strafrecht ist erschreckend.

Beunruhigend sind ausserdem Predigten von Imamen aus dem arabischen Raum, welche keinerlei Bezug zur Schweiz haben und sich unter Anderem nur mit einem Turistenvisum in der Schweiz aufhalten: Sie halten Hetzreden gegen die westliche Lebensweise  und propagieren Praktiken wie die Steinigung oder Auspeitschung als Bestandteile des göttlichen Gesetzes.

Religionen sind alle ein Stück weit intolerant gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften. Dies ist dem Islam nicht mehr vorzuwerfen als anderen religiösen Gruppierungen. Problematisch ist nicht die traditionelle Glaubensausübung an sich. Sie wird aber zum Problem wenn sie Praktiken beinhaltet, welche mit der hiesigen Rechtstradition kollidieren.

Verschlagwortet: , , , ,