Benedikt XVI. – Pontifikat des Dialoges

Posted on April 23, 2010 von

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Gestern schrieben wir über Hans Küng und seine kritische Würdigung des Pontifikats Benedikts XVI. Nach den vielen kirchenkritischen Berichten der letzten Wochen bemühte sich die NZZ aber auch um einen positiven Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre. In einem Kommentar strich Anton Christen Benedikts Bemühen um Vernunft, Dialog und Kampf gegen sexuellen Missbrauch hervor. Doch der Artikel vermag nicht dieselbe Überzeugungskraft wie jener von Küng zu entwickeln. Vor allem die Würdigung der Leistungen des Papstes im interreligiösen Diskurs mit den Muslimen scheitert.

Benedikt XVI. (Quelle: kirchenseite.de)

Christen streicht die wichtige Rolle des Papstes im Dialog mit den Muslimen hervor. Den Grundstein für die Intensivierung des gemeinsamen Diskurses habe der Papst in der Regesburger Rede 2006 gelegt. Mit seinem provokativ-islamkritischen Zitat eines byzantinischen Kaisers löste er zahlreiche Reaktionen aus und befruchtete so den Dialog.

Doch diese beschönigende Perspektive Christens ist irreführend. Das Zitat diffamiert und pauschalisiert den Islam an sich, und stellt ihn als gewaltsame und unmenschliche Religion dar: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“. Es soll nicht abgestritten werden, dass der Dialog in der Folge intensiviert wurde. Aber der Schaden, den Benedikt XVI. mit dieser Rede anrichtete war imens. Verstärkter interreligiöser Austausch hätte auch mit friedlichen Mitteln erreicht werden können. Die paradoxe Argumentation Christens erinnert die Minaretinitiative. Diese zu loben, weil sie den Diskurs förderte, ist irrwitzig. Seit Jahren schon hätten wir uns mit dem Islam auseinandersetzen können, ohne deren Angehörige vorgängig zu brüskieren.

Auch die glorifizierte Arbeit Benedikts als Vorsteher der Glaubenskongregation, der vormaligen Inquisitionsbehörde der katholischen Kirche, muss vielen Lesern vor den Kopf stossen: Die Kongregation, so Anton Christen, „sicherte sich auch das Recht, über solche Schandtaten als oberstes Gericht selber zu urteilen. Damit sollte sichergestellt werden, dass die in vielen Diözesen aufgetretene Praxis des Wegschauens und Vertuschens aufhört“.

Doch genau das Gegenteil geschah. Unter Geheimhaltung wurden die Missbrauchsfälle gesammelt. In einem Schreiben („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe wurden alle Missbrauchsfälle unter das „Secretum Pntificium“ gestellt, bei dessen Verletzung mit schweren Kirchenstrafen zu rechnen ist. Während nun viele vom heutigen Papst ein Schuldeingeständnis fordern, liess sich der Papst am Ostersonntag „urbi et orbi“ vom Kandinaldekan seine Unschuld attestieren.