Gaddafis Analyse

Posted on Mai 4, 2010 von

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Zwei Redakteure des Spiegels besuchten Muammar al-Gaddafi in seinem Nomadenzelt. Der dienstälteste arabische Machthaber spricht über Angela Merkel („Eher ein Mann als eine Frau“), über Silvio Berlusconi („Mein engster Freund in Europa“), über Barack Obama („Er geht vernünftig vor“) und über Mahmud Ahmandinedschad („Er ist gutwillig, ein Revolutionär“). Und Gaddafi spricht über die Schweiz.

Muammar al-Gaddafi an der UNO GV, Sept. 2009 (Quelle: spiegel.de)

Die Schweiz hat angefangen. Vorher war eigentlich alles im Lot: Die Libyer schätzten die Schweiz als Urlaubsland, sie schätzten die Schweizer Firmen und die Schweizer Armanduhren. Plötzlich begann die schlechte Behandlung Libyens: Beispiele sind das Verbot der Minarette und die Veröffentlichung hässlicher Darstellungen des Propheten. „Es war notwendig den Schweizern Einhalt zu gebieten“.

Nach der treffenden Benennung der Konfliktursache analysiert Gaddafi das Schweizer Staatswesen: Die Schweiz stehe ausserhalb der Weltgemeinschaft. Warum tut sie dies? Weil sie über dem internationalen Gesetz stehen will. „Und das hat die Schweiz zu einer Mafia gemacht“. Und eine Mafia ist in zwielichtige Geschäfte verwickelt: Kriminelle waschen ihr schmutziges Geld mit schweizerischer Unterstützung wieder rein. Doch jüngst ist eine grosse Zahl solcher Inhaber geheimer Konten ums Leben gekommen. „Dahinter steckt die Schweiz. (…) Das werden die Untersuchungen zeigen“.

Wie perfide die Machenschaften der Schweiz sind, zeigt Gaddafi anhand der Sterbehilfe: „Eine Reihe von Leuten ist unter diesem Vorwand gezielt aus dem Weg geräumt worden. Die Schweiz behauptet, die Betreffenden hätten den Wunsch geäussert, sich das Leben zu nehmen. Dabei ging es in Wahrheit darum, an ihr Geld heranzukommen. Mehr als 700 Menschen sind auf diese Weise gestorben“.

Doch was soll nun mit der Schweiz geschehen? Mafiöse Organisationen löst man auf: „Ich rufe deshalb dazu auf, das Staatswesen der Schweiz aufzulösen. Der französische Teil sollte an Frankreich gehen, der italienische an Italien und der deutsche an Deutschland.

Diese Lösung mag tatsächlich verlockend klingen. Immerhin würde so das Problem mit der Regierungsreform im Nu gelöst werden. Gaddafis Vorschlag kann aber auch bestehende Probleme verschärfen: So würde sich die Quote der Deutschen Professorinnen an den Unis drastisch erhöhen. Nicht zu letzt bleibt eine weitere Frage ungelöst: Was geschieht mit den rätoromanisch Teilen der Schweiz?

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