Eva Braun – Leben mit Hitler

Posted on Mai 15, 2010 von

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Vierzehn Jahre lang führten Eva Braun und Adolf Hitler eine intime Beziehung, bevor sie am Nachmittag des 30. April 1945 von eigener Hand starben. Nur ein kleiner Kreis Eingeweihter wusste von Hitlers Begleiterin. Der breiten Öffentlichkeit wurde das Privatleben des Führers aus politischen Motiven verschwiegen: „Viele Frauen hängen an mir, weil ich unverheiratet bin“, meinte Hitler, „es ist so wie bei einem Filmschauspieler: Wenn er heiratet, verliert er für die ihn anhimmelnden Frauen ein gewisses Etwas, er ist nicht mehr so sehr ihr Idol.“

Eva Braun und Adolf Hitler mit ihren Hunden (Quelle: spiegel.de)

Nach dem Krieg wurde der Name Hitler zu einem Symbol für Gewalt, Unmenschlichkeit, Rassismus, Völkermord und Krieg. Das Bedürfnis sämtlicher Facetten der Persönlichkeit Hitlers zu erfassen, ist bis heute ungebrochen. Ernüchternd fielen jedoch die Betrachtungen Eva Brauns aus: Sie habe gemäss Guido Knopp „keine Rolle gespielt bei den Entscheidungen, die zu den schlimmsten Jahrhundertverbrechen führten“. Für den britischen Historiker Hugh Trevor-Roper war Eva Braun schlicht eine „Enttäuschung der Geschichte“. Bis heute gilt Hitlers langjährige Freundin und spätere Frau als unbedarft und unpolitisch. In den Biographien Hitlers spielt sie daher eine Statistinnenrolle.

In der ersten streng wissenschaftlichen Biographie Eva Brauns tritt Historikerin Heike Görtemaker nun an, um dieses hartnäckig überlieferte Bild zu korrigieren.

So schickt Görtemaker die Behauptung, Hitler habe in Anwesenheit von Frauen das Thema Politik nicht berührt in das Reich der Legenden. Nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen in Hitlers Umgebung identifizierten sich mit dem antisemitischen und rassistischen Gedankengut des NS-Regimes, das Hitler in langen abendlichen Monologen am Kamin darlegte. Laut der Biographin glit dies insbesondere für Eva Braun: „Weshalb sollte sie, weniger sachverständig als andere, die Berechtigung der Ausführungen Hitlers in Zweifel ziehen, wenn selbst ein Offizier wie Nicolaus von Below, gebildet und von Adel, die Erklärungen zur ’ständigen Bedrohung‘ des deutschen Volkes durch den ‚jüdischen Bolschewismus‘ für beeindruckend und plausibel hielt?“

Auch die Vorstellung, Hitler habe sich von niemandem beeinflussen oder überreden lassen, entspricht wohl kaum der Wahrheit. Oft dienten solche Behauptungen ehemals überzeugten Nationalsozialisten nach Kriegsende der eigenen Entlastung.

Dennoch schien der Führer offene Einmischungen seiner Freundin von Anfang an unterbunden zu haben. Die Bayerin war etwa nie Mitglied der NSDAP. Ob sich Eva Braun bewusst mit politischen Aussagen zurückgehalten hat, oder ob ihr Schweigen auf mangelndes politisches Interesse zurückzuführen ist, muss die Biographin aufgrund mangelnder Datenlage offen lassen. Auch die Frage ob sie vom Holocaust wusste, kann nicht abschliessend beurteilt werden.

Auch in Bezug auf Adolf Hitler verzichtet die Historikerin auf pathetische Interpretationen. Während verschiedene Biographen Hitlers Leben als frei von Freude, Liebe oder Leidenschaft umschreiben, geht Görtemaker von einem normalen intimen Verhältnis zu Eva Braun aus. „Er erkannte in ihr diejenige, die – vor dem Hintergrund einer vergleichbaren Herkunft und Schulbildung abseits traditioneller Eliten – mehr als jeder fanatische Anhänger bereit war, ihr Leben zu seinen Bedingungen zu leben.“

So verdankt Eva Braun ihr schwache Rolle denn auch weniger dem eigenen Unvermögen, als vielmehr den Bindungsängsten ihres Geliebten. „Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht, aber letztlich entschieden handelnd, eitel und keineswegs ein Opfer, sichert sich Eva Braun dennoch einen, wenn auch zweifelhaften, Platz in der Geschichte“.