Interkulturelles Lernen?

Posted on Mai 30, 2010 von

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Für manche Zürcher ist eine Begegnung mit einem Walliser schon genug des interkulturellen Lernens, andere wollen mehr. Für jene, deren Horizont nicht in Affoltern aufhört, ist der Studentenverein “Initiative for Intercultural Learning”, kurz IFIL, da. Eine Bande neugieriger Studenten und junger Berufstätiger gründete vor inzwischen vier Jahren den Verein mit der Idee interkulturelle Studienreisen zu organisieren.

Ziel dieser Studienreisen ist es ein Land „von innen“ kennenzulernen: also jene Dinge zu sehen, die einem beim Backpacken entgehen. Im Jemen trafen wir uns dazu mit Frauenrechtlerinnen und Journalisten, in Japan mit Unternehmern, in Ruanda mit Überlebenden des Bürgerkriegs, in New York mit Diplomaten, und in Israel und Palästina mit Betroffenen des Konflikts.

In ungezwungener Atmosphäre ermöglicht IFIL auf diese Weise einmalige Einblicke in fremde Länder und Kulturen. In persönlichen Gesprächen mit Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur versuchen wir die Eigenheiten eines Landes zu ergründen. Ein unglaublich bereichernder Teil jeder Reise ist der Austausch mit lokalen Studierenden, da werden die Fragen gestellt die wirklich interessieren (z.B. Wie geht eigentlich Flirten im konservativen Jemen? Antwort: Mit Hilfe gefalteter Zettelchen mit welchen Jungs den Mädels ihre Natelnummer in die geöffnete Handtasche werfen).

Die Organisatoren der Reisen sind keine professionellen Tourguides, sondern gewöhnliche Studenten die sich für ein Land begeistern und andere damit anstecken möchten.

Diesen Sommer stehen Israel-Palästina, UNO New York, Kambodscha, Uganda-Ruanda, Japan, Brasilien, die EU-Institutionen und London auf dem Programm. Japan und London sind bereits ausgebucht, bei den anderen Reisen sind jeweils noch wenige Plätze frei.

Wer Spring-Break-mässige Ferien sucht ist bei IFIL am falschen Ort, es handelt sich bei aber auch keineswegs um staubtrockene zweiwöchige Ethnologieseminare. Der Spass kommt nicht zu kurz, lokales Bier gehört schliesslich auch zur Landeskunde.

IFIL ist offen für alle, also nicht nur für Studierende. Spezielles Vorwissen ist nicht nötig. Einzige Voraussetzung sind Interesse, Neugier und Selbstständigkeit. Letztes Jahr zeichnete die Alliance of Civilizations der UNO IFIL übrigens als eines der weltweit innovativsten interkulturellen Projekte aus!

IFIL wird ausschliesslich von Freiwilligen geführt. Der Vorstand wie auch die Reiseorganisatoren arbeiten alle unbezahlt, was uns ermöglicht, die Reisen zu sehr günstigen Preisen anzubieten. Der Verein versteht sich auch als Plattform für Leute die selber eine Studienreise organisieren möchten. Wir nehmen also gerne Projektvorschläge entgegen.

Fernweh bekommen? Infos zu allen Reisen und Anmeldung unter www.ifil.ch.

Zum Autor: Danny Bürkli studierte Politikwissenschaften an den Universitäten Zürich und Genf mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen. Nach einem Praktikum bei einem Think Tank in London arbeitet er zurzeit auf der arabischen Halbinsel. Er ist Vorstandsmitglied von IFIL (Initiative for Intercultural Learning) und organisiert u.a. die IFIL-Studienreise nach London zum Thema Radikalisierung und politische Gewalt.

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