Parteienwebsites im Vergleich – Für einmal die SVP auf den hinteren Rängen…

Posted on Juli 20, 2010 von

7


Mit dem Aufkommen des Internets haben auch politische Akteure wie Parteien, Verbände, soziale Bewegungen etc. dieses Terrain zu besetzen und nutzen begonnen. Für PolitikwissenschaftlerInnen öffnet sich somit ein weiteres Forschungsfeld, in dem die Fragen, wie und von wem die neuen Tools genutzt werden, im Vordergrund stehen. Hierzulande interessiert vor allem, welche Partei die Nase vorne hat: Ist es die SVP, die sonst bezüglich Campaigning viel richtig macht oder eher eine junge Partei wie die Grünen?

Eine erste umfassende Studie über die Internetauftritte der Schweizer Parteien lieferten Gfeller und Jaggi bereits 2001, welche aber durch die Schnelllebigkeit des Internets und Veränderungen der Schweizer Parteienlandschaft bereits wieder überholt ist. Basierend auf dem E-Party-Index von Kies/Mendez/Schmitter/Trechsel werden hier Resultate von den kantonalen Websites der Grünen, SP, SVP und FDP (insgesamt 95 kantonale und vier nationale Homepages) vorgestellt. Der Index misst (in %) die Dimensionen Information, bilaterale Interaktivität, Benutzerfreundlichkeit, Networking, multilaterale Interaktivität (damit sind Chatrooms, Foren, Blogs etc. gemeint) und Mobilisierungspotenzial (d.h. Kampagnennutzung). Jede Dimension setzt sich zusammen aus einer Vielzahl von Items (insgesamt 66 Items). Dabei kamen folgende mit anderen Ergebnissen korrespondierende Resultate heraus:

Kantone Bund
Partei Index       (in %) Standard-abweichung N Partei Index       (in %) N
GP 32,4 10,2 19 GPS 57,5 1
SP 32,0 8,5 25 SP 47,6 1
SVP 28,8 7,8 26 FDP 41,7 1
FDP 23,2 6,4 25 SVP 39,4 1
Mittel 29,1 8,2 95 Mittel 46,6 4

Es mag nicht allzu sehr überraschen, dass eine relativ neue Partei mit jungem Klientel und Personal (unter denen es nachweislich mehr Internet User als unter den Senioren hat) wie die Grünen gute Werte erzielt – dieses Bild hat sich auch bei Analysen anderer Autoren für andere Staaten gezeigt (vgl. Artikel von  Pippa Norris, Preaching to the Converted). Die Performance der SVP erstaunt auf den ersten Blick, weil gerade sie im Bereich Campaigning doch meist die Nase vorne hat. Hier jedoch punktet sie vor allem bei den Interaktivitätsitems nicht ausreichend, um es an die Spitze zu schaffen.

Bei einer Aggregation auf Kantonsebene hat sich gezeigt, dass vor allem grosse, eher urbane Kantone die Nase vorne haben, was sich vermutlich auch wieder mit der Distanz zwischen WählerInnen und politischer Elite, aber vermutlich auch mit der höheren Dichte von Internet Usern zu tun hat.

Generell zeigt sich, dass die Schweizer Parteien im Vergleich zu ihren europäischen „Gschpänli“ höhere Werte beim Mobilisierungspotenzial erreichen, was auf die ausgeprägten direktdemokratischen Instrumente in der Eidgenossenschaft zurückzuführen sein könnte. Beim multilateralen Interaktivität punktet sie unterdurchschnittlich (im Europäischen Vergleich).

Die untenstehenden Tabellen zeigen die Unterschiede zwischen der nationalen und der kantonalen Ebene, d.h. die Unterschiede sind bei den Dimensionen Benutzerfreundlichkeit und Mobilisierungspotenzial am grössten. Letzteres könnte damit erklärt werden, dass die Parteien auf kantonalem Niveau generell näher beim Bürger sind und nicht unbedingt das Internet als Kampagnenplattform nutzen müssen, um diese zu erreichen. Multilateraler Kontaktaustausch ist weniger verbreitet als bilateraler: Dies ist vermutlich auf den Aufwand für die Betreibung eines Chatrooms oder eines Forums, die man heutzutage kaum mehr unüberwacht führen kann, zurückzuführen.

Generell ist zu beachten (und natürlich zu kritisieren), dass die Items des Indexes nur die Ausprägungen  ja/nein und keine Abstufungen kennen, nur vier Parteien in das Sample einbezogen wurden, was vor allem für die Repräsentativität auf Bundesebene ein Problem darstellt und allenfalls einige Items noch hinzugezogen werden sollten; so sollte es beispielsweise noch ein Item für Übersichtlichkeit oder allenfalls auch Originalität geben, wo vermutlich die SVP dann noch Punkte abholen könnte. Auch nimmt der Index kein Bezug auf die Verknüpfung und Präsenz einer Partei auf Facebook oder anderen Plattformen.

Verschlagwortet: , , , ,