Die Berner Reitschule muss verkauft werden…

Posted on September 16, 2010 von

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… meint die Junge SVP Bern und lancierte eine entsprechende Initiative welche am 26.September vors Volk kommt. Über dieses Anliegen muss diskutiert werden… finden die Schülerinnen und Schüler des Hofwil Gymnasiums in Münchenbuchsee (BE) und luden zur Podiumsdiskussion.

Aus dem Bedürfnis heraus der Politik im politikfeindlichen gymnasialen Umfeld mehr Raum zu geben, entstand die Podiumsreihe „Hofwil diskutiert Politik“. Seit März 2010 wurden nun bereits zum dritten Mal rhetorisch die Klingen gekreuzt und dies mit Erfolg: Als am Dienstag die Gäste die Arena betraten, waren nicht weniger als 130 Augenpaare auf sie gerichtet. Um so grösser die Ehre für mich, die Diskussionsrunde leiten zu dürfen. Besten Dank hierfür!

Es war ein feines Podium, welches die Organisatoren zusammenstellten: Die Initiantiv-Befürworter waren vertreten durch Erich Hess (Präsident der Jungen SVP Bern und Schweiz), Alexander Feuz (FDP) und Adrian Reusser (JSVP). Ihnen standen Ruedi Löffel (Reitschule, IKuR) und Lorenz Stalder (JA!) gegenüber.

Gleich zu Beginn des Diskussionsabends stellte Hess klar, wieso die Reitschule geschossen werden muss: Diese sei ein Schandfleck an den Toren Berns. Sie biete Ausgangs- und Rückzugsort für zahlreiche gewalttätige linke Demonstrationen. Die postulierten Ideale der Reitschülerinnen seinen staatsfeindlich, daher sind sie nichts anderes als „Terroristen“. Die Intiative verlangt den Verkauf des alternativen Kulturzentrums Reitschule an den „Meistbietenden“. Ob aus der Reitschule ein Einkaufszentrum, Büroräume oder ein Hallenbad entstehen soll, ist Hess egal. Nur durch den Verkauf an Private könne die Reitschule der Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR) und dem Dunstkreis der „unfähigen linken Regierung“ entrissen und vernünftig verwaltet werden.

Diese pointierte Auffassung vermochte Alexander Feuz, ebenfalls Mitglied des Initiativkomitees, nicht zu teilen. Für ihn sei es wünschenswert, wenn die kulturelle Komponente der Reitschule erhalten bliebe. Wichtig sei in erster Linie eine andere Führung. Skeptisch zeigt er sich bezüglich des Begriffs des „Meistbietenden“. Dies stelle für ihn nicht nur eine Frage des Geldes dar. Das ganze Bewerbungsdossier müsse bei einem allfälligen Verkauf in Betracht gezogen werden.

Die Initiativ-Gegner strichen die Bedeutung der Reitschule als Begegnungs- und Kulturraum hervor. In den Sachbezognen Diskussionspunkten waren sie ihren Kontrahenten überlegen. Fakt ist, dass die Reitschule im Vergleich zu anderen Kulturinstitutionen der Stadt günstig ist (alles in allem 664’259 Franken pro Jahr). Das kulturelle Angebot ist vielfältig, einzigartig und wird rege besucht. Die oft zitierte offene Drogenszene vor der Reitschule ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Dennoch blieben die Reitschüler einige Antworten schuldig. Die Zusammenarbeit mit der Polizei muss reibungsloser funktionieren. Auch bieten klare politische Positionsbezüge, so etwa die Neinparole zur ALV-Revision, Angriffsfläche: Wieso sollten sich bürgerliche Politiker jemals vollumfänglich hinter die Reitschule (und die Beiträge an diese) stellen, wenn diese offen gegen ihre Anliegen einsteht.

Am Schluss bleibt der Eindruck, dass es den Initiantinnen nicht um eine Antwort auf ein drängendes Problem, sondern um Profilierung geht. Denn sicher ist: Egal wie die das bernisch Stimmvolk am 26.9 entscheidet, Erich Hess wird siegen. Die Möglichkeit bei einem populären Thema populistische Lösungen azubieten dürfte den Politiker weithin bekannt machen. Dieser Schachzug passt in das Profil eines gewieften und politisch clever agierenden Erich Hess. Viellecht geht ihm das politische Feingefühl eines Toni Brunners ab. Im Schalk steht er im hingegen in nichts nach: Als die Befürworter und Befürworterinnnen der Reitschule am Ende der Veranstaltung CDs (mit dem Song „Erich, warum bisch du nid Ehrlich?„) der Reitschule verkaufen wollte, bot sich Hess lautstark an, diese zu unterschreiben.