KUBAKI-AfrikanerInnen in der Schweiz

Posted on November 14, 2010 von

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Curtis Moyo, 22, Zimbabwe. Medizinstudent, DJ und politischer Flüchtling

„Am ersten Tag an der Uni, versammelten sich alle Medizinstudenten in einem Saal und der Professor fragte, wer von uns denn nicht aus der Schweiz komme. Ich wollte gerade meine Hand heben, da rüttelten meine Freunde ganz empört an meiner Schulter: „Spinnst du, Curtis? Du bist doch aus dem Wallis!“

Mabinty Conteh, 31, Sierra Leone. Alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, Therapeutin und Musikerin

„Manchmal fragen mich Leute, ob ich „Afrikanisch“spreche. Ich frage dann, ob sie „Europäisch“ können.“

Andrew Katumba, 39, Uganda. Regisseur und Gemeinderat der Stadt Zürich (SP)

„Wenn mir eine 90-jährige Frau sagt, ich sei ein „Neger“, dann nehme ich ihr das nicht übel. Das ist ja kein Angriff, sie hat vermutlich nie einen anderen Ausdruck gelernt.“

Grace Benjamin, 44, Kenya. Alleinerziehende Mutter und Bankangestellte

“ Mich sprechen die Arbeitskollegen automatisch auf Hochdeutsch an – obwohl ich auf Schweizerdeutsch antworte. Ich arbeite in einer renommierten Bank. Da könnte man doch erwarten, dass man offenen, gebildeten Menschen begegnet. Bildung schützt aber anscheinend nicht vor Ignoranz.“

Mustapha Sanyang, 42, Gambia. Bauarbeiter

„In Afrika haben die Leute ein völlig verzerrtes Bild von Europa. Sie glauben, dass das Geld hier auf der Strasse rumliegt; dass es keine Armut gibt. Dann kommen sie hierher und merken, wie hart das Leben ist. Das Geld wächst nicht auf den Bäumen, du musst jeden Tag um sechs Uhr aufstehen und hart dafür arbeiten. Vielen Afrikanern fällt das schwer; es fehlt ihnen an Disziplin. Doch sie können nichts dafür. Wenn du nicht schon als Kind lernst, dich an gewisse Regeln zu halten, lernst du es als Erwachsener erst recht nicht und deine Kinder genauso wenig.“

Kubaki heisst auf Swahili „bleiben“. Das gleichnamige  fotojournalistische Projekt, portraitiert fünfzehn afrikanische Migrantinnen und Migranten. Die einen sind hier geboren, andere sind erst im Laufe ihrer Kindheit, Jugend  oder als Erwachsene in die Schweiz gekommen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie hier geblieben sind. In den Textportraits , welche den schwarz-weiss fotografierten Portraits eine Stimme verleihen, sprechen die Protagonisten der Ausstellung über Heimatgefühl, Identität, Rassismus sowie Asyl- und Ausländerpolitik in der Schweiz.

Die Bilder von Richard G. Schmid zeigen fünfzehn afrikanische Köpfe. Die Hautfarben unterscheiden sich kaum von einander, man könnte sagen, sie sähen alle gleich afrikanisch aus. Vermutlich war das auch eine Absicht des Fotografen. Die für Europäer bzw. Schweizerinnen ununterscheidbare Masse an „Schwarzen“ wird durch die Texte, verfasst von den beiden Studentinnen Melanie und Stefanie Pfändler, aufgelöst in fünfzehn individuelle Geschichten und fünfzehn verschiedene Nuancen vom Afro-Schweizer sein.

Ausstellungen über Migrantinnen sind an und für sich nichts Neues. Das Projekt KUBAKI besticht vor Allem durch die intime Note der Texte. Die Gesichter erhalten eine Persönlichkeit. Während sich Frau Benjamin bereits etwas diskriminiert fühlt, weil man nicht mit ihr Schweizerdeutsch spricht, haben eine Reihe anderer Portraitierter Verständis dafür, dass man sich nicht zu ihnen setzt im Zug, oder sie als „Neger“ bezeichnet. Die Grenzen der Toleranz sind breit gesteckt. So auch das Zugehörigkeitsgefüh zur Schweiz oder das Bewusstsein Ausländerin zu sein.

Weil wir, wie Prof. Bernard Wandeler von der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit an der Vernissage meinte, etwa so wenig afrikanische Bekannte haben dürften wie appenzellische (in der Schweiz leben etwa soviele Afrikaner wie Appenzell Ausserrhoden), könnten zahlreiche Schweizerinnen n der Töpferei die Gelegenheit i wahrnehmen erstmals afrikanische Migranten kennen zu lernen. Es liegt leider nahe, dass sich vorwiegend weltoffene AfrikaliebhaberInnen in der Töpferei einfinden werden um das Engagement der Veranstalter zu loben.

Für alle die Lust bekommen haben:

Töpferei/ Töpferstrasse 26/ 8045 Zürich

Mo, 15.11 : 14 -18/Di, 16.11 : 14 – 18/Mi, geschossen/ Do, 18.11: 14 – 18/Finissage: Fr, 19. : 16 – 20

Die Ausstellung wandert demnächst in weitere Schweizer Städte. Mehr Infos unter: http://www.tanana.ch