ReligionsFreiDenken?

Posted on Dezember 10, 2010 von

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Die Hochschulgruppe „frei denken“ ruft zur Debatte über die Trennung von Kirche und Staat auf. Es diskutierten Cédric Wermuth (Präs. JUSO), Brenda Mäder (Präs. Jungfreisinnige), Caesar Andres (Vizepräsident JCVP), Jonas Landolt (Co-Präsident Junge Grüne Stadt Zürich), Eliane Hiestand (JSVP Kanton Zürich) und Roman Rutz (Co-Präsident JEVP). Hier einige Voten:

Cédric Wermuth (Präs. JUSO)

Die christlichen Werte haben sich tatsächlich in unserer Gesetzgebung niedergeschlagen. Ich denke da etwa an die späte Einführung des Frauenstimmrechts oder die Diskriminierung der Homosexuellen.

Die These, dass die Schweiz ein christliches Land ist, würde ich in Abrede stellen.

Ich bin dann für die Beibehaltung der Kirchensteuern, wenn die JUSO ihre Mitgliederbeiträge im Kanton Aargau auch über die Steuern eintreiben kann.

Selbstverständlich leisten die Kirchen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Der richtige Weg ist deshalb auch die schrittweise Übernahme der Aufgaben durch die öffentliche Hand.

Mann kann so viele Geistliche an den Universitäten ausbilden wie man will. Solange keine Atheisten ausgebildet werden, werde ich nie davon profitieren.

Wir fordern nicht die Abschaffung theologischer Fakultäten, sondern die Weiterentwicklung der Fakultäten in Richtung Religionswissenschaft.

 

Brenda Mäder (Präs. Jungfreisinnige)

Mann sollte daran erinnern, dass die Kirchensteuer in einigen Kantonen schon aufgehoben worden ist. Dort ist das Gemeinwohl auch nicht schlechter.

Die Kirchen müssen über die Bücher und überlegen, wie sie neue Mitglieder werben können.

Ich sehe nicht ein, wieso der Staat den Kirchen 600 Millionen Franken jährlich zusprechen sollte aber andere Vereine nicht von diesem Geld profitieren sollten.

Wenn man sich vom Religionsunterricht abmelden muss, entsteht ein gewisser sozialer Druck.

In der Frage der Trennung von Religion und Staat sind in erster Linie die Regionalpolitiker gefragt.

Wenn wir an Weihnachten nicht frei hätten. Wie viele Leute würden dieses Fest noch so feiern wie heute und an Weihnachten Ferien beziehen?

 

Caesar Andres (Vizepräsident JCVP)

Ich bin für eine Ausweitung der Kirchensteuer. Wenn eine islamische Gesellschaft in einer Gemeinde eine gewisse Grösse erreicht, warum sollen die nicht auch Steuern eintreiben können.

Die Kirchen bringen wichtige Dienste fürs Gemeinwohl. Deswegen finde ich es schlecht, wenn die Kirchensteuer abgeschafft wird.

Ich bin strikte dagegen, dass Sozialleistungen nur durch den Staat erbracht werden.

Ich finde man sollte dem Übersinnlichen Raum lassen.

Ich spreche mich klar gegen einen allgemeinen Religionsunterricht aus. Schule und Religion müssen klar getrennt werden. Wenn sich Kinder für Religion interessieren, sollen sie in die Kirche gehen.

 

Jonas Landolt (Co-Präsident Junge Grüne Stadt Zürich)

Viele unserer Traditionen stammen aus der Aufklärung, nicht aus dem Christentum.

Die Dienste der Kirchen sollten auf jeden Fall erhalten werden. Ich nicht der Meinung, dass die Kirchensteuer aufgehoben werden sollte. Ich denke, dass diese Gelder weiterhin für soziale Dienste eingesetzt werden sollten.

Die Neutralität eines Ethikunterrichts hängt stark von der unterrichtenden Person ab. Das kann zu einem Problem werden.

 

Eliane Hiestand (JSVP Kanton Zürich)

Wir im Kanton Zürich können uns Kruzifixe an Schulen vielleicht nicht vorstellen. Aber mann muss sehen, dass dies ein Teil der Tradition des Kanton Wallis ist.

Wir sollten an der Tradition des Christentums festhalten.

Die christlichen Werte sind überall in unsere Gesetzgebung eingeflossen. Das kann man nicht verleugnen.

Natürlich setzen wir uns kritisch mit unserer Vergangenheit auseinander. Es gab aber auch positive Beeinflussungen durch das Christentum. Ich mag unsere Werte so wie sie sind. Dies heisst aber nicht, dass ich andere Werte ablehne.

Ich denke, dass die Abschaffung der Kirchensteuer für die Kirchen eine Chance wäre.

Wenn Kinder, wie Jonas meint, ein Anrecht auf religionsfreies Grosswerden haben, hätten sie auch ein Recht auf politisch neutrales Grosswerden. Dann gäbe es kein Erziehung mehr.

 

Roman Rutz (Co-Präsident JEVP)

Ich als Vertreter einer evangelischen Religion störe mich nicht, wenn die Kruzifixe abgehängt werden müssen.

Der Staat darf eine Religionsgruppe bevorzugen.

Wir wehren uns gegen die Verbotskultur, die mit der Minarettdebatte Einzug erhalten hat.

Es ist für mich keine Diskriminierung, wenn christliche Kreise etwas nicht tun dürfen, was Muslime nicht tun dürfen.

Die christlichen Werte unseres Landes in Abrede zu stellen, finde ich sehr mutig.

Ich denke nicht, dass die Landeskirche ihre heutige Position innehalten können. Desswegen wird der Druck auf die Kirchensteuern wohl steigen.

Anders als Cédric bin ich nicht der Meinung, dass der Staat die Aufgaben der Kirchen übernehmen sollte und auch nicht dazu gewillt ist.

Die kirchliche Ausbildung, also die Schulung von Pfarrern, soll von den Kirchen selbst übernommen werden.