Warum macht die Schweiz Frieden in der Welt?

Posted on Dezember 14, 2010 von

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von David Lanz

Zivile Friedensförderung ist zu einem wichtigen Bestandteil der Schweizerischen Aussenpolitik geworden. Die Schweiz vermittelt zwischen der Türkei und Armenien, ist im Friedensprozess im Nahen Osten engagiert, entsandte Vermittler in den Sudan, nach Kolumbien und Nepal. Dazu finanziert sie NGOs, die sich auf Konfliktprävention und Friedensförderung spezialisieren. Das Ganze lässt sich unser Land fast 60 Million CHF[i] pro Jahr kosten, rund 25 Mal weniger als die Entwicklungshilfe[ii] aber immerhin.

Zu den Kosten kommt das Risiko: Friedensförderung tönt völkerverbindend, kann aber politisch umstritten sein. Länder wie Israel, Sri Lanka oder Kolumbien sind oft nicht begeistert über die ausländischen Friedensapostel und nehmen deren Arbeit als Einmischung wahr. Auch können Vermittler von Konfliktparteien als Sündenböcke benutzt werden – so geschehen im Fall Gontard[iii]. Warum also die Schweizer Friedensmacherei?

Die Aussenministerin[iv] spricht vom Imperativ einer globalisierten Welt, in der alle Länder voneinander abhängig sind und deshalb ihren Beitrag zur Weltordnung leisten müssen. Will für die Schweiz heissen: um unsere Sicherheit und unseren Wohlstand zu bewahren, müssen wir bei der Lösung von globalen Problemen mithelfen und das tun wir, unter anderem, durch unsere Aktivitäten zur Förderung des Friedens.

Tönt überzeugend, aber wie sieht’s mit Opportunitätskosten aus? Wäre die Schweiz weniger sicher oder wohlhabend, wenn wir das Engagement für den Frieden aufgäben, die 60 Millionen anders investierten? Wohl kaum. Warum machen wir es also nicht anderen Kleinstaaten gleich, „fahren schwarz“ und überlassen es den Grossmächten, sich mit globalen Sicherheitsproblemen abzuringen?

Wegen dem Vorbild Norwegen. Dank seinem Engagement für den Frieden überspringt das kleine Norweger-Volk auf der Weltbühne ein paar Gewichtsklassen, kann mitreden und wird auch dann noch als gutartig wahrgenommen, wenn es seine Eigeninteressen vertritt, etwa im Erdöl- oder Fischereibereich. Ein zweiter nützlicher Nebeneffekt: Die Norweger sind stolz, dass ihr Land in der Welt Gutes tut, sich für Frieden einsetzt. Sie identifizieren sich mit ihrer Regierung und fühlen sich im Gutmenschentum vereint. So wird Legitimität erzeugt, ein kostbares Gut für jede Regierung.

Das funktioniert auch in der Schweiz. Friedensmacher sind neutral. Die Schweiz ist neutral. Ergo engagiert sich die Schweiz für Frieden in der Welt. Das überzeugt die Bevölkerung. Und die Politiker. So wurde der Rahmenkredit für zivile Friedensförderung und Menschenrechte[v] von allen Parteien unterstützt, auch von der SVP. Im Fall Gontard wurde der Konsens zwar etwas brüchig. Aber dabei ging es Köppel & Co[vi] wohl nicht um die zivile Friedensförderung generell, sondern darum, der verschmähten Aussenministerin eins auszuwischen.

Daneben dient die Friedenspolitik der Pflege von Beziehungen, vor allem mit der Weltmacht ennet des Atlantiks. Das ist wertvoll, da das Image der Schweiz in den USA wegen Raubgold, UBS und Minarettverbot[vii] ramponiert ist. Zwar gibt’s auch mal ein blaues Auge[viii], aber in Zeiten, in denen Mr. President „engagement“ predigt, ist die Friedensarbeit der Schweiz sehr willkommen, etwa die guten Dienste im Iran und in Kuba ebenso wie die Vermittlungsbemühungen zwischen Armenien und der Türkei, zwischen Georgien und Russland oder im Sudan. Solche Engagements öffnen der kleinen Schweiz im grossen Washington schon mal Türen, die sonst verschlossen blieben.

Zum Autor: David Lanz ist Doktorand an der Uni Basel und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schweizerischen Friedensstiftung, swisspeace. Davor hat er am Graduate Institute in Genf und an der Fletcher School in Boston internationale Beziehungen studiert. Dieser Beitrag stellt seine eigene Meinung dar und nicht diejenige seines Arbeitgebers.