Wahlkampf 2.0

Posted on März 2, 2011 von

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Das neue Buch von Mark Balsiger traf am Donnerstag bei mir ein. Ich öffnete das Paket und las es in einem Zug. Ich empfehle Ihnen dasselbe zu tun. „Wahlkampf – aber richtig“, heisst das Werk und drei Teile beinhaltet es: sechs Fallbeispiele, Tipps zum Umgang mit Twitter, Facebook und Blogs und schliesslich die 26 Erfolgsfaktoren für eine gute Kampagne.

Sie kandidieren also für ein politisches Amt?

Mein Beileid.

Öffnen Sie in Ihrem Browser nun border-crossing.ch. Bestellen Sie dort das neue Buch. Während Sie nun auf den Postboten warten, können Sie hier lesen, was Sie erwartet:

Den grössten Nutzen werden Sie aus Teil D ziehen. Hier beschreibt Balsiger die 26 Faktoren des Wahlerfolgs (vgl. Tabelle im Wahlkampfblog). Grob lassen sich diese in drei Kategorien unterteilen:

Anker-Faktoren sind etwa das Image der eigenen Partei, die politische Erfahrung, die Vernetzung oder der Listenplatz. Sie lassen sich im letzen Jahr vor der Wahl nicht mehr verändern. Die Persönlichkeit, die Fachkompetenz, das Unterstützungskomitee oder der Wahlkampfstaab sind (unter anderen) Egagements-Faktoren. Diese liegen in der Eigenverantwortung des Kandidierenden. Von Anker- und Engagements-Faktoren sind die Verpackungsfaktoren zu unterscheiden. Sie können teilweise mithilfe von Profis erreicht werden. In diese Gruppe gehören Aussehen, Medientauglichkeit, Strategie und der Online Auftritt.

Die Auflistung der Faktoren erachte ich als sehr wertvoll. Sie sind das Herz des Buches und Balsigers wichtigster Beitrag. Sie können sicher sein, dass Sie eine vergleichbare Auflistung konkreter Faktoren in der wissenschaftlichen Literatur vergebens suchen würden.

Wenn Sie ein reger Nutzer Sozialer Medien sind, werden Sie im entsprechenden Kapitel C kaum Neues lernen. Ihnen wird allenfalls vor Augen geführt, wie viele Politiker selbst die einfachsten Grundregeln der digitalen Welt verletzen. Falls Sie ein Neuling sind, lesen Sie das Kapitel sorgfältig durch und verhindern Sie damit, dass Sie als Negativbeispiel in Balsigers nächstem Buch erscheinen.

Sie interessieren sich für Politik, würden aber im Leben nicht an eine Kandidatur denken?

Auch gut.

In diesem Fall lege ich Ihnen insbesondere den ersten Teil (Fallbeispiele) nahe. Er führt Ihnen die Ernsthaftigkeit eines Wahlkampfes vor Augen und macht Sie auf die Raffinesse der einzelnen Kandidierenden aufmerksam: Zum Beispiel jene des Polittalents Lukas Reimann. Im Vorfeld der Nationalratswahlen 2007 organisierte er zahlreiche Podiumsdiskussionen an denen er selber teilnahm: „Ich lud jeweils bisherige National- oder Kantonsräte von CVP, FDP und SP, oder den Grünen ein. Als Junger der mitdiskutierte, konnte ich nur gewinnen.“ Durch solche und ähnliche Aktionen erreichte der damalige Präsident der Jungen SVP St. Gallen im Wahljahr 144 Nennungen in den Schweizer Medien. Am Wahltag arbeitete er sich von Listenplatz 11 auf Platz 5 vor und konnte in den Nationalrat einziehen.

Mit Talent alleine konnte Lukas Reimann jedoch keinen Nationalratssitz erringen. Seine Kampfkasse war mit 30’250 Franken gefüllt. Damit wendete er etwa doppelt so viel wie die Bernerin Nadine Masshardt auf, liegt aber deutlich hinter der Zürcherin Barbara Schmid-Federer zurück. Die Offenlegung der eingesetzten Geldmittel ist sicherlich eine grosse Stärke des Buches und erlaubt es Ihnen, den Aufwand und Ertrag einer Kampagne etwas besser einzuordnen.

An anderer Stelle wurde bemängelt, zum Label „Handbuch“ fehle das siebte, achte und neunte Fallbeispiel (die Kampagne eines Ständeratskandidaten, eines Grünen und eines Romands). Auch ich vermisse insbesondere eine Ständeratskampagne: Die Wahlen ins Stöckli sind professioneller, personalisierter und medial stärker begleitet als jede andere Schweizer Wahl (vgl. Bern). Es stellt sich also die Frage: kann ein umfassendes Handbuch auf eine Kampagne für den Ständerat verzichten?

„Nein“ wäre die Antwort eines Politikwissenschafters. „Ja“ muss hingegen die Antwort der Kandidierenden, der eigentlichen Zielgruppe des Buches lauten.