Olten quo vadis?

Posted on Juli 12, 2011 von

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Laut einem Bericht der Zeitschrift Bilanz gehört Olten zu den 30 attraktivsten Städten der Schweiz. Auswärtige werden sich darob vielleicht verwundert die Augen reiben oder gar die Stirn runzeln. Doch Einheimische wissen schon länger, was sie an der naturnahen Dreitannenstadt haben. Trotzdem ist der Ruf von Olten nicht der Beste. Warum ist das so und was würde es für einen Aufbruch benötigen?

Basel, Bern, Luzern und Zürich sind innerhalb von circa einer halben Stunde ab Olten mit dem ÖV erreichbar. Viele Oltnerinnen und Oltner nutzen diese Möglichkeit und arbeiten oder studieren in den deutschschweizer Zentren. Die traditionell guten Verkehrsverbindungen haben auch Einfluss gefunden im Geist der Bevölkerung: Wer sich in Olten niederlässt, wird innert kürze als vollwertiger Bürger akzeptiert – sofern er sich natürlich nicht allzu dumm anstellt. Diese Offenheit zeichnet Olten aus!

Olten aus der Vogelperspektive (Quelle: olten.ch)

Weiter verfügt Olten über Theater, Kabarett, Kino, Arthouse-Kino (!), Badi, Sportstätten, Aare, Clubs, gute Restaurants, einen tollen Eishockeyclub, Arbeitsplätze, coole Konzertlokale, Beizen, lebendige Wohnquartiere, Openair-Anlässe und weiss der Teufel was. Auch hier fällt Olten gegenüber anderen Städten nicht wesentlich ab. Warum ist trotzdem der Ruf von Olten nicht besser?

Die Visitenkarte einer jeden Stadt ist das Zentrum. In diesem Bereich fehlt es dem Gebilde Olten schlicht an Farbe und Mut zum Aufbruch! Die Eisenbähnler-Vergangenheit hat Olten nachhaltigst geerdet und Grossmannssucht und Überschätzung verhindert. Wir haben dieser Vergangenheit viel zu verdanken. Die Situation ist heute jedoch eine deutlich andere und viele Jungen empfinden diese Mutlosigkeit als Korsett der Stadtentwicklung. Olten hat in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, steht finanziell solide da und sollte nun aktiv einen grossen Schritt nach vorne machen. Wenn man den Vergleich mit Aarau als Primus des besagten Ratings anstellt, ist das Rezept klar:

1. Die Innenstadt benötigt einen „Leuchtturm“, wie zum Beispiel einen Globus, Jelmoli oder Manor, welcher Auswärtige wieder vermehrt in die Innenstadt lockt. Damit die Innenstadt einen solchen überhaupt aufnehmen kann, ist Platz zu schaffen. Bei nüchterner Betrachtung bietet sich hier das Areal Kunsthaus / Munzingerplatz / Hübelischulhaus / Stadthaus an. Wäre es nicht schön, FH-Studierende auch auf der linken Stadtseite anzutreffen?

2. Damit eine Investition für einen Grossdetaillisten interessant ist, müssen attraktive Rahmenbedingungen geschaffen werden. Tiefere Steuern sind ein Bestandteil davon. Der zentralste Punkt bei Investitionsentscheiden ist die Passanten-Frequenz. Steigern wir sie, indem wir an zentraler Stelle ein gut zugängliches, unterirdisches Parkhaus bauen oder bauen lassen. Im Zusammenspiel mit der Inbetriebnahme Verkehrsentlastung Olten wird dies die Zugänglichkeit massiv verbessern. In der Umgebung müssen verkehrsfreier Raum sowie attraktive Gastroangebote entstehen. Für letzteres würde der Markt sorgen, sofern die Politik liberale Bedingungen sicherstellt.

3. Das lokale Gewerbe ist ebenfalls gefordert und muss aktiver werden. Innovation und Investition würden sich unter diesen Voraussetzungen aber lohnen. Zudem wären Ladenvermieter aus Eigeninteresse gut beraten, Hilfestellung in Form einer vorübergehend Mietentlastung zu leisten.

4. Ein solches Projekt ist nur umzusetzen, wenn alle an einem Strang ziehen und politische Kompromisse eingegangen werden – nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Es ist zu verhindern, dass dem Stimmbürger Sand in die Augen gestreut wird in Form von nicht durchdachten Pseudo-Alternativen. Für die Umsetzung benötigen wir eine Exekutive, die frischen Wind bringt und die über genügend Energie, Schnauf und – ganz wichtig – Vertrauen in der Bevölkerung verfügt.

5. Selbstredend muss eine Planung vorliegen, die den Betroffenen eine gewisse Sicherheit bietet und vorgängig vom Volk abzusegnen ist.

Naturgemäss nimmt der Wille zur Veränderung mit dem Alter ab, es liegt daher wohl massgeblich an den Jungen, diesen gordischen Knoten zu zerschlagen. Sie haben aber auch das grösste Interesse an einer raschen Umsetzung dieser Vision und sollten gegen die Verhinderer, Mutlosen und blinden Ideologen ankämpfen und sich engagieren. Nur allzu schnell bedeutet Stillstand nämlich Rückschritt und dies wäre insbesondere in Verbindung mit den sich abzeichnenden hunderten eher günstigen Neubauwohnungen in Olten Südwest fatal. Und wer diese Suppe auszulöffeln hätte, ist auch klar.

Wir OltnerInnen haben die Wahl zwischen weiterer politischer Blockade, das heisst, „Haar in der Suppe suchen“ oder wir können mutig voranschreiten und uns für die Zukunft wappnen. Was hindert uns daran das Potential zu nutzen? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Zum Autor: 

Sandro Gervasoni lebt seit 3 Jahren in Olten. Aufgewachsen ist er in Dulliken, einem Nachbardorf mit starkem Bezug zu Olten. Er präsidiert die Jungfreisinnigen Region Olten, ist Mitglied des Gemeindeparlaments sowie der Jugendkommission der Stadt Olten. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Treuhänder, welche er in Zürich ausübt, befindet er sich in Weiterbildung zum dipl. Treuhandexperten.

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