SP bi de Lüt

Posted on Juli 21, 2011 von

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Gartenzwerge zu zerschmettern ist eine ziemlich pubertäre Art seinem Unmut gegen die schweizer „Vorstadtidylle“ Ausdruck zu verleihen (vgl. Tagi-Artikel). Ferner könnte der geneigte Jungrevoluzzer, die geneigte Jungrevoluzzerin so potentielle Wählerinnen vergrellen. Schenkt man Nationalratskandidat Alan David Sangines glauben gilt dies insbesondere für die SP. Denn: «Vor allem in ländlichen Gebieten hätte die SP noch viel Wählerpotenzial».

Doch stimmt dies wirklich?

Das Potential einer Partei wird meist als Summe aller Wahlwahrscheinlichkeiten berechnet. Bei einer fiktiven Wählerschaft von zwei Personen, von denen eine Person Partei X mit 60 Prozent und die andere Person die Partei mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit wählt, liegt das Potential der Partei X somit bei 50 Prozent. Wird das Potential einer Partei durch den eigentliche Wähleranteil dividiert, kann so die Ausschöpfungsquote errechnet werden.

In der unterstehenden Tabelle werden diese Kennzahlen für die SP in der gesamten Schweiz (erster Teil), im städtischen Gebiet (zweiter Teil) und im ländlichen Gebiet (dritter Teil) ausgewiesen. Verwendet wurden die gewichteten Selects-Daten. Da die Wahlwahrscheinlichkeit 1995 nicht erhoben wurde, wurde sie mittels Imputationsverfahren aus der Parteiwahl und -Sympathie generiert.

Die Wählerpotentialanalyse zeigt, dass das Potential der SP im Jahr 2007 bei 44.7 Prozent lag. 19.9 Prozent haben die SP gewählt, folglich liegt die Ausschöpfung des Wählerpotentials bei 44.5 Prozent. Gegenüber dem Wahljahr 1995 hat sich das Potential der SP um 6.8 Prozent merklich abgeschwächt. Auch der Wähleranteil ist leicht gesunken. Da sich das Potential der Sozialdemokratischen Partei stärker abgeschwächt hat, als der eigentliche Wähleranteil ergibt sich damit eine leichte Steigerung der Ausschöpfungsquote.

Im mittleren Teil der Tabelle sind dieselben Kennzahlen für urbane, im unteren Teil für ländliche Gebiete ausgewiesen. Bei den letzten eidgenössischen Wahlen konnte ein markanter Unterschied des Wählerpotentials gemessen werden. Während das Potential in den städtischen Gebieten bei 47.4 Prozent lag, war es in den ländlichen Gebieten mit 37.4 Prozent deutlich geringer. Der Stadt-Land-Unterschied hat sich in den vergangenen zwölf Jahren akzentuiert. In den urbanen Regionen nahm das Potential rund 5.7, in den ländlichen Regionen 10.7 Prozent ab.

Damit können wir festhalten: Das grösste Wählerpotential der SP liegt in der Stadt, nicht auf dem Land. Nichtsdestotrotz ist damit die Aussage von Alan Sangines noch lange nicht wiederlegt. In seinem Votum spricht er das noch nicht ausgeschöpfte Potential der SP an.

Tatsächlich ist die Ausschöpfung des Wählerpotentials auf dem Land geringer als in der Stadt. Der Unterschied ist mit 3.4 Prozent allerdings gering. Überraschend ist jedoch der Zeitvergleich: Während die SP im Jahr 1995 nur gerade 32 Prozent ihres ländlichen Potentials ausschöpfen konnte, waren es 2007 41.7 Prozent (+ 9.7 Prozent). Dieser Effekt wurde aber nicht aufgrund höherer Wähleranteile erreicht. Vielmehr gelang es der SP bei sinkendem Potential nicht an Wähleranteil zu verlieren. Etwas, das der SP in den städtischen Gebieten nicht gelungen ist.

Damit lassen sich die Resultate auf drei Haupterkenntnisse reduzieren: (i) Das Wählerinnenpotential der SP ist in urbanen Gegenden höher als in ländlichen Gebieten. (ii) Die SP schöpft ihr Potential auf dem Land weniger gut als in der Stadt aus und hat damit ein höheres Wachstumspotential in ländlichen Regionen. (iii) Die SP schöpfte in den vergangenen Jahren ihr Potential auf dem Land immer besser auf. In den städtischen Gebieten sank die Ausschöpfungsquote leicht.

Mit diesem Beitrag verabschiedet sich das Polithink-Team für zwei Monate in die Ferien. Wir wünschen allen einen erholsamen Sommer und freuen uns auf einen spannenden Wahlherbst!