Buchpreisbindung: Pro und Contra

Posted on Februar 28, 2012 von

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Am 11. März entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Buchpreisbindung. Nach dem neuen, vom Parlament beschlossenen Bundesgesetz über die Buchpreisbindung bestimmen die Verlage oder der Grosshandel die in der Schweiz geltenden Verkaufspreise für Bücher. Eine Buchhandlung muss die Bücher somit zum fixierten Preis verkaufen. Für das Parlament ist die Buchpreisbindung ein geeignetes Mittel, um die Schweizer Autorinnen und Autoren, die Verlage und den Buchhandel zu unterstützen und das Kulturgut «Buch» zu schützen. Die Buchpreisbindung fördere die kulturelle Vielfalt. Die Jungfreisinnigen haben gegen diesen Parlamentsbeschluss das Referendum ergriffen.

In der Deutschschweiz gab es bis 2007 gebundene Preise für Bücher. In der Westschweiz ist der Buchpreis seit Anfang der 90er Jahre frei. In der italienischsprachigen Schweiz war er immer frei. Die Preisbindung in der Deutschschweiz war zwischen Verlegern, Zwischenhändlern und Buchhändlern vertraglich vereinbart. Das Bundesgericht erklärte im Jahre 2007 diese Buchpreisbindung für unzulässig. Die Preise sind seither frei.

Auf Polithink erläutern der jungfreisinnige Fabian Schnell und die junggrüne Irene Kälin die Argumente für ihren Stimmentscheid.

Günstige Bücher statt staatliche Kartelle!

Wettbewerbskommission, Bundesgericht und Bundesrat sind sich einig: Die Buchpreisbindung ist nichts weiter als ein konsumentenfeindliches Kartell. Leider ist das Parlament zu dieser relativ einfachen Einsicht nicht in der Lage gewesen, weshalb nun das Volk am 11. März das letzte Wort über die Buchpreisbindung haben wird (dank eines Referendums der Jungfreisinnigen!).

Schaut man sich die Argumente der Befürworter an, wähnt man sich im Schlaraffenland. Die Buchpreisbindung soll für günstigere Bücher und Kulturvielfalt sorgen, kleine Buchhandlungen schützen und erst noch den Autoren dienen. Nachteile: Keine. Eine eierlegende Wollmilchsau also, und das erst noch CO2-frei. Leider haben Kartelle jedoch immer nur ein Ziel, nämlich überhöhte Preise durchsetzen und die Konsumenten schröpfen zu können. Profitieren würden in erster Linie die grossen Verlage und Buchhändlerketten.

Fabian Schnell hat Volkswirtschaftslehre studiert und doktoriert im Bereich Geldpolitik an der Universität St. Gallen. Er ist Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Schweiz und präsidierte von 2007-2010 die Jungfreisinnigen Kanton Zürich. Fabian Schnell arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei economiesuisse sowie am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und angewandte Wirtschaftsforschung (SIAW-HSG).

Bei genauerer Betrachtung muss man sogar feststellen, dass die Buchpreisbindung kein einziges der propagierten Ziele erreichen würde. Der Strukturwandel im Buchhandel kann nicht durch ein Preisbindungsgesetz aufgehalten werden, die Digitalisierung im Büchermarkt wird dafür sorgen. Zur Kulturvielfalt äussert sich das Gesetz faktisch nicht einmal, und selbst wenn die angestrebte Quersubventionierung unbekannter Autoren durch Bestseller funktionieren würde, wäre eine solche preisverzerrende Subvention die teuerste aller möglichen Unterstützungen. Maler oder Musiker existieren auch ohne Preisbindung, es gibt keinen Grund, weshalb dies nicht auch für Autoren gelten soll. Das Einzige, was damit von der Buchpreisbindung übrig bleibt, sind teurere Bücher.

Die Buchhändler- und Verlagslobby wird nicht die letzte gewesen sein, die sich per Gesetz vor den „Unannehmlichkeiten“ des Wettbewerbs schützen und auf Kosten der Konsumenten bereichern will. Umso wichtiger ist es, dass wir Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hier ein Präjudiz schaffen: Mit einem klaren NEIN zur Buchpreisbindung!

Mut zum Protektionismus zu Gunsten der Buchvielfalt!

Liberalisierung tönt gut. Ein Wort der Stunde. Freiheit im Blick. Doch die eigene Freiheit endet dort, wo diejenige des anderen beginnt, so ist das auch bei der Liberalisierung. Wir glauben gerne, dass durch Liberalisierung die Konsumentinnen von tieferen Preisen und besseren Leistungen profitieren. Aber das hat einen Haken. Denn die Liberalisierung dient, wenn man den Blick etwas globaler schweifen lässt, in primärer Hinsicht den Finanzmärkten, also jenen Geldumschlagplätzen, die uns seit einiger Zeit von Krise zu Krise mitschleppen. Liberalisierung ist nicht nur der Ruf nach Freiheit, Liberalisierung ist auch der Weg in die selbstverschuldete Abhängigkeit.

Nun reihen sich bei den Argumentationen gegen oder für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung auf beiden Seiten dieselben Argumente aneinander: Kulturförderung, tiefere Preise, besserer Schutz für Autorinnen und Verleger, Leseförderung. Wer soll da noch wissen, was dem Buch nun gut tut und was nicht?

Ein Trend zeichnet sich doch ab. Kleine Buchhandlungen scheinen ohne die Buchpreisbindung vom Aussterben bedroht. So mussten in Grossbritanien mehr als die Hälfte der Buchhandlungen schliessen weil sie dem Preiskampf nicht standhalten konnten. Trotzdem sind für die Konsumenten die Preise führ die Mehrzahl der Bücher nicht gesunken sondern gestiegen. Dasselbe Trauerspiel sehen wir auch in der Schweiz, insbesondere in der Romandie, wo die Preisbindung bereits 1993 aufgehoben wurde. Die Zahl der vor allem kleineren Buchhandlungen und Verlage nimmt stetig ab, wertvolle Arbeits- und Ausbildungsplätze in einer KMU-Branche gehen verloren.

Irène Kälin ist junggrüne Politikerin und sitz seit 2010 für die Grünen im Grossrat des Kantons Aargau. Sie studiert Islamwissenschaft und Religionswissenschaft an der Universität Zürich.

Was das Buch dazu sagt, wissen wir nicht. Lebt es sich glücklicher oder besser in einem Warenhaus der Bücher als in einer kleiner Buchhandlung?

Sei es auch aus Nostalgie und der Liebe zum Kleinen und Besonderen, aber wenn es den Schweizer Autorinnen und Autoren, den Schweizer Verleger und den kleinen Schweizer Buchhandlungen dient, dann sage ich ja zur Buchpreisbindung. Ja zu den Buchhandlungen, die mehr sind als Buchwarenhäuser, ja zu den Autorinnen und Autoren, die mehr können als einen Bestseller schreiben, ja zur Qualität statt Quantität und ein wenig Mut zum Protektionsmus zu Gunsten einer kulturellen und qualitativen Buchvielfalt in der Schweiz.